Andalusien ist ein Land der Übergänge. Zwischen Afrika und Europa, zwischen Meer und Gebirge, zwischen maurischem Erbe und christlicher Gegenwart hat sich über Jahrtausende eine Landschaft geformt, die nicht nur von Sonne und Wind geprägt ist, sondern vor allem von Erinnerung. Jede Stadt trägt Spuren vergangener Reiche, jede Straße erzählt von Begegnungen der Kulturen, und selbst die Stille der Hügel scheint noch Geschichten zu bewahren.

Schon in der Umgebung von Antequera öffnet sich ein Fenster in die fernste Vergangenheit. Gewaltige Steinplatten ruhen dort seit Jahrtausenden übereinander, aufgerichtet von Menschen, deren Namen verloren gegangen sind. Die Dolmen wirken wie Botschaften aus einer Zeit, in der Himmel, Erde und Tod noch als untrennbar verbunden gedacht wurden. Nur wenige Schritte weiter formt die Natur selbst ihre eigenen Monumente. Im Karstgebirge von El Torcal stehen bizarr geschichtete Kalksteinfelsen wie versteinerte Wesen in der Landschaft. Wind, Wasser und Geduld haben hier über Millionen Jahre eine Welt geschaffen, die zugleich fremd und vertraut erscheint.

Südlich davon verändert sich die Stimmung. Weite Dehesas, durchzogen von Korkeichen und Weideland, erzählen von einer jahrhundertealten Beziehung zwischen Mensch und Tier. Auf den Stierfarmen lebt eine Tradition fort, die bis heute Bewunderung und Zweifel zugleich hervorruft. Auch die Städte Andalusiens tragen diese Spannung in sich. Ronda balanciert spektakulär über einer Schlucht, weiß getüncht und lichtdurchflutet, während Dichter und Reisende seit Jahrhunderten versuchen, ihre Schönheit in Worte zu fassen.

In Córdoba verdichtet sich schließlich die Geschichte zu einem einzigen, atmenden Raum. Der Wald aus Säulen in der Mezquita erinnert an eine Zeit, in der Religionen, Wissenschaft und Kunst einander begegneten. Sevilla dagegen zeigt die opulente Seite Andalusiens Duft von Orangenblüten, Klang von Musik, Paläste voller maurischer Ornamente und Kathedralen, die den Himmel berühren wollen. Und über allem liegt Granada, wo die Alhambra wie ein steinernes Gedicht von Wasser, Licht und vergänglicher Macht erzählt.

So beginnt eine Reise durch Andalusien, nicht nur von Ort zu Ort, sondern von Epoche zu Epoche, von Mythos zu Wirklichkeit. Ein Land, das sich nicht schnell erschließt, sondern Schritt für Schritt wie eine Geschichte, die erst im Weitergehen ihren ganzen Sinn offenbart.

 

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