Die Begegnung mit Ronda endete nicht an den Mauern der Stadt. Wenige Kilometer außerhalb, in der weiten, stillen Landschaft der Dehesa Don Bosco, öffnete sich eine andere Seite Andalusiens ursprünglicher, rauer und zugleich von einer eigentümlichen Würde getragen. Dort liegt die Stierfarm von Rafael Tejada, eingebettet in sanfte Hügel, Korkeichen und jenes warme Licht, das selbst die Stille golden erscheinen lässt.
Schon beim Ankommen lag etwas Unausgesprochenes in der Luft. Keine laute Sehenswürdigkeit, kein Ort für schnelle Fotos eher ein Raum, der Fragen stellt. Zwischen weiten Weiden, auf denen Pferde ruhig grasten und mächtige Stiere mit erstaunlicher Gelassenheit standen, entstand ein inneres Spannungsfeld. Schönheit und Unruhe, Faszination und Zweifel zugleich.
Ich ging langsam über das Gelände, spürte die Hitze auf der Haut und diese besondere Ruhe, die nur große Landschaften tragen. Die Tiere wirkten kraftvoll, wach, fast stolz und doch lag über allem das Wissen um ihr mögliches Schicksal. Genau dort begann das eigentliche Erleben nicht im äußeren Geschehen, sondern im inneren Fragen.
Ist es Tradition, Kunst oder Grausamkeit? Oder etwas, das sich einfachen Antworten entzieht?
Der Züchter sprach ruhig über seine Arbeit, über Zuchtlinien, über Respekt vor den Tieren und auch darüber, wie unterschiedlich junge Menschen heute auf den Stierkampf blicken. Seine Worte erklärten vieles und doch blieb ein Rest von Ungewissheit. Vielleicht, weil manche Themen nicht gelöst werden wollen, sondern gefühlt.
Gerade diese Ambivalenz machte den Moment so intensiv. Andalusien zeigte sich hier nicht als Postkarte, sondern als lebendige Wirklichkeit voller Geschichte, Stolz, Schmerz und Schönheit zugleich. Ein Land, das nichts beschönigt und gerade darin berührt.
Als der Blick noch einmal über die weiten Weiden wanderte, wurde spürbar. Reisen bedeutet nicht nur, schöne Orte zu sehen. Reisen bedeutet auch, sich berühren zu lassen von dem, was widersprüchlich ist. Und vielleicht liegt genau darin die tiefere Begegnung mit einem Land wenn es nicht nur betrachtet, sondern wirklich erfahren wird.
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