Ich gehe weiter, langsam hinauf zum Kapitol. Der Weg dorthin fühlt sich anders an als zuvor weniger wie ein Spaziergang durch Ruinen, mehr wie ein Übergang in ein Rom, das bis heute lebt. Schon die Treppe hinauf trägt etwas Feierliches in sich, als würde sie mich Schritt für Schritt in eine andere Zeit führen.
Oben öffnet sich der Platz wie eine Bühne. Michelangelo hat ihn gestaltet, weich geschwungen, harmonisch, fast still. In der Mitte steht die Reiterstatue des Marc Aurel, ruhig und würdevoll, als würde der Kaiser noch immer über die Stadt wachen. Doch rundherum ist nicht nur Geschichte. Hier sitzt heute die Stadtverwaltung, hier wird Politik gemacht, hier entscheidet sich das moderne Rom. Vergangenheit und Gegenwart stehen sich nicht gegenüber sie teilen sich denselben Raum.
Ich gehe ein paar Schritte weiter bis zum Rand des Hügels und blicke noch einmal hinunter auf das Forum Romanum. Von hier oben wirkt alles kleiner, weiter entfernt, fast wie ein Bild. Und doch weiß ich, dass dort unten das Herz eines Weltreiches schlug. Dieser Blick verbindet alles: Anfang, Macht, Vergehen und das heutige Leben.
Für einen Moment bleibe ich still stehen. Menschen gehen an mir vorbei, sprechen leise, machen Fotos, lachen. Das Leben fließt weiter, ganz selbstverständlich, auch an einem Ort, der so viel Geschichte trägt. Vielleicht liegt genau darin die besondere Ruhe dieses Hügels, dass nichts festgehalten werden muss, weil alles längst Teil der Zeit geworden ist.
Nach einer Weile gehe ich weiter. Der Weg führt mich nun tiefer hinein in das künstlerische und geistige Rom, dorthin, wo Glaube, Schönheit und menschliche Schöpferkraft sich begegnen.
Ich mache mich auf den Weg zu den großen Kirchen der Stadt.
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