Ihr Lieben
in dieser Zeit spüren viele Menschen, dass sich etwas Grundlegendes verändert. Nicht immer laut oder sichtbar, sondern eher wie eine leise Verschiebung im Inneren. Gewohntes trägt nicht mehr so selbstverständlich, Sicherheiten beginnen zu wanken, und gleichzeitig entsteht eine tiefe Sehnsucht nach Wahrheit, Sinn und echtem Halt. Oft höre ich in diesem Zusammenhang, dass ganzheitliches Denken, Spiritualität oder das Wahrnehmen feiner Zusammenhänge als Esoterik bezeichnet und sogar abgelehnt werden. Und natürlich darf jeder Mensch denken, was er möchte. Doch für mich liegt der Kern nicht in der Frage, woran jemand glaubt. Viel entscheidender ist, ob wir bereit sind zu erkennen, dass das Leben selbst keine Trennung kennt. Wir können im Denken vieles auseinanderhalten. Körper und Seele, Verstand und Gefühl, Wissenschaft und Bewusstsein, Innen und Außen. Diese Unterscheidungen helfen uns, die Welt zu ordnen. Doch in der Tiefe wirkt das Leben immer ganz. Alles steht miteinander in Beziehung, alles beeinflusst sich gegenseitig, und nichts existiert wirklich für sich allein. Diese Verbundenheit ist kein spirituelles Konzept, sondern eine Erfahrung, die spürbar wird, wenn wir still genug werden, um hinzuhören. Gleichzeitig erleben wir eine Phase der Ent-Täuschung, im wahrsten Sinne des Wortes. Schleier lichten sich, Illusionen verlieren ihre Kraft, und vieles, was lange verdeckt oder beschönigt war, zeigt sich klarer. Das kann im persönlichen Leben geschehen, in Beziehungen, im eigenen Körper oder auch im größeren kollektiven Geschehen. Was zunächst beunruhigend wirkt, trägt jedoch eine tiefere Bewegung in sich: Wahrheit möchte sichtbar werden, damit etwas Echtes entstehen kann.
Ent-Täuschung ist deshalb kein Verlust, sondern ein Schritt in Richtung Reife. Sie nimmt uns Bilder, an denen wir uns festgehalten haben, und führt uns näher zu dem, was wirklich trägt. Genau hier beginnt ein stilles Erwachen kein spektakulärer Moment, sondern ein leises Wirklicher-Werden. Ein Bewusstsein, das nicht mehr flieht, sondern hinsieht. Das nicht mehr nur hofft, sondern Verantwortung übernimmt. Das nicht mehr trennt, sondern verbindet. In dieser Tiefe zeigt sich ein einfaches Gesetz des Lebens. Alles strebt nach Harmonie. Ob wir daran glauben oder nicht, spielt keine Rolle. Dort, wo Disharmonie entsteht, beginnt Bewegung. Nicht als Strafe, sondern als Ausgleich. Wenn wir nicht in unserer inneren Wahrheit leben, zeigt sich die Spannung oft an anderer Stelle im Körper, in Beziehungen oder in unseren Lebensumständen. Das Leben korrigiert sich nicht gegen uns, sondern für uns. Es sucht immer wieder den Weg zurück in die Ganzheit. Gerade deshalb ist ganzheitliches Denken heute so bedeutsam. Nicht als Gegenpol zur Wissenschaft, sondern als Ergänzung. Nicht als Flucht aus der Realität, sondern als Vertiefung des Lebens. Ganzheitlich zu denken bedeutet, mehrere Ebenen gleichzeitig wahrzunehmen. Den Körper ernst zu nehmen und dennoch die seelische Dimension zu sehen, rational zu prüfen und gleichzeitig der Intuition zu vertrauen, spirituell zu fühlen und dennoch verantwortlich im Alltag zu handeln. Es ist kein Entweder-oder, sondern ein Erinnern an das, was immer zusammengehört. Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Wandel unserer Zeit. Kein dramatisches Erwachen, sondern ein stilles Erwachsenwerden. Ein Bewusstsein, das nicht mehr im Recht-Haben lebt, sondern in Stimmigkeit. Ein Leben, das nicht mehr getrennt denkt, sondern die Einheit hinter allem spürt. Denn je mehr ein Mensch beginnt, in seiner inneren Wahrheit zu stehen, desto stiller wird der Kampf. Desto spürbarer wird innerer und äußerer Frieden, den viele lange gesucht haben. Nicht als fernes Ziel, sondern als Erfahrung im gegenwärtigen Moment.
Das Leben kennt keine Trennung.
Von Herzen 🙏 Gabriele Baum