Das Kolosseum

 

Kaum stehe ich vor dem Kolosseum, spüre ich die Wucht dieses Ortes. Stein gewordene Größe, gebaut, um zu beeindrucken und um Macht zu zeigen. Vor fast zweitausend Jahren jubelten hier Zehntausende Menschen den Spielen zu. Gladiatoren kämpften, Tiere wurden vorgeführt, Leben endeten im Lärm der Menge. Unterhaltung und Grausamkeit lagen untrennbar nebeneinander.

Heute ist die Arena still. Kein Jubel, kein Kampf nur Schritte von Besuchern aus aller Welt, Stimmen in vielen Sprachen, Kameras die versuchen, diesen Moment festzuhalten. Und doch liegt etwas in der Luft, das sich nicht fotografieren lässt. Eine Ahnung davon, wie stark Orte Erinnerungen tragen können.

Mich berührt besonders dieser Gegensatz.  Damals ein Schauplatz von Gewalt, heute ein Ort des Staunens und der Fragen. Während ich dort stehe und in die gewaltige Arena blicke, frage ich mich nicht nur, was hier geschehen ist, sondern auch, was die Menschen damals hierhergezogen hat. Hinter all der Grausamkeit spüre ich eine tiefe menschliche Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach dem Gefühl Teil von etwas Größerem zu sein. Nach Spannung, die den Alltag vergessen lässt, und nach Momenten, die das Leben intensiver erscheinen lassen. Vielleicht zeigt sich gerade hier, zwischen Stein und Erinnerung wie nah Größe und Abgrund im Menschen beieinanderliegen. Das Kolosseum ist für mich deshalb mehr als ein Bauwerk. Es ist ein Spiegel menschlicher Geschichte. Größe und Grausamkeit, Technik und Theater, Macht und Vergänglichkeit alles steht hier nebeneinander. 

Zum Abschluss dieses Tages sitze ich im Palazzo Manfredi, direkt gegenüber dem Kolosseum. Vor mir liegt die Arena im warmen Abendlicht, still und fast unwirklich nach all den Bildern der Vergangenheit. Während ich genieße, verändert sich der Blick langsam das Licht wird weicher, die Schatten tiefer, und das alte Gemäuer beginnt zu leuchten. Gespräche klingen gedämpft, Gläser schimmern, und für

einen Moment scheint die Zeit stillzustehen. Es ist, als würde Rom mir hier leise zuflüstern, dass Geschichte nicht nur in Ruinen lebt, sondern auch in solchen stillen Augenblicken. Und genau so endet dieser Tag: nicht laut, sondern ruhig, mit einem letzten Blick auf das Kolosseum, das nun einfach nur noch da ist still, würdevoll und unendlich zeitlos. Während ich langsam weitergehe Richtung Forum Romanum, fühlt es sich an, als würde ich nicht nur durch Rom laufen, sondern durch Zeit.

Ciao Gabriele

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