Die Ernährung in Sri Lanka ist einfach aufgebaut, aber in sich sehr durchdacht. Sie orientiert sich nicht an Trends, sondern an Klima, Verfügbarkeit und jahrhundertealter Erfahrung. Gekocht wird mit dem, was wächst, Reis, Gemüse, Hülsenfrüchte, Kokosnuss und Gewürze. Genau diese Klarheit macht die Küche so bekömmlich.
Im Zentrum fast jeder Mahlzeit steht Reis, er ist nicht Beilage, sondern Grundlage. Alles andere ordnet sich darum an. Dazu kommen mehrere kleine Currys, meist drei bis sechs, die zusammen eine Mahlzeit ergeben. Unser Reiseführer hat das immer treffend zusammengefasst und dabei gelächelt:
„In Sri Lanka gibt es Reis mit Curry oder Curry mit Reis.“
Ein entscheidender Unterschied zu unserer Küche, Kuhmilch wird traditionell nicht verwendet. Es gibt keine Sahne, keinen Käse auch keine Butter. Stattdessen ist die Kokosnuss zentral. Kokosmilch sorgt für Cremigkeit, Kokosöl zum Braten, frischer Kokos für Sambols. Das ist kein Ersatz, sondern das ursprüngliche Fett und die ursprüngliche Milch dieser Küche. Dadurch sind alle vegetarischen Gerichte sind automatisch vegan.
Die Currys sind würzig, aber nicht schwer und auch nicht scharf so wie die indische Küche. Gewürze werden gezielt eingesetzt, Kurkuma für Farbe und Ausgleich, Kreuzkümmel und Koriander für Tiefe, Senfsamen und Curryblätter für Aroma, Chili nach Geschmack. Nichts wird überdeckt, jedes Gemüse bleibt erkennbar.
Ein typischer Teller besteht aus Reis und verschiedenen Gemüsecurrys. Dal aus roten Linsen gehört fast immer dazu. Daneben Gemüse wie Okra, Aubergine, Kürbis, grüne Bohnen, Jackfruit, Banane oder Mango. Ergänzt wird das Ganze durch Sambols aus frischem Kokos, Zwiebeln, Chili und Limette. Man mischt selbst, nimmt sich Zeit und isst oft mit der Hand.
Okra-Curry (Bandakka Curry)
Okra wird in der sri-lankischen Küche sehr selbstverständlich verwendet. Die Schoten werden geschnitten und zuerst in Kokosöl angebraten, damit sie nicht schleimig werden. Danach kommen Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander und etwas Chili dazu. Mit Kokosmilch aufgegossen, köchelt das Curry nur kurz. Das Ergebnis ist mild, würzig und leicht.
Mango-Curry
Für dieses Curry werden halb reife Mangos verwendet. Sie bringen Säure und leichte Süße. Senfsamen werden in Kokosöl erhitzt, dann Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und Curryblätter zugegeben. Gewürzt wird mit Kurkuma, etwas Zimt und Chili. Die Mangostücke garen nur kurz in Kokosmilch. Das Curry ist fruchtig, nicht süß, und passt sehr gut zu Reis und Dal.
Dal-Curry (rote Linsen)
Dal ist ein Grundnahrungsmittel in Sri Lanka. Rote Linsen werden weich gekocht und mit einer Gewürz-Zwiebel-Mischung aus Kokosöl, Senfsamen, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und Curryblättern verfeinert. Kokosmilch macht das Dal cremig. Es ist sättigend, nährend und leicht verdaulich.
Eines der klassischsten und beliebtesten Gerichte in Sri Lanka ist
Auberginen-Curry, oft auch Brinjal Curry oder Brinjal Moju genannt.
Auberginen-Curry
Die Auberginen werden in Spalten oder Würfel geschnitten und zuerst in Kokosöl kräftig angebraten, bis sie weich sind und leicht Farbe bekommen. Das ist wichtig, damit sie später nicht zerfallen.
In einem Topf Kokosöl erhitzen, fein geschnittene Zwiebeln, Knoblauch und etwas Ingwer anschwitzen. Dann Kurkuma, Koriander, Kreuzkümmel, etwas Chili und ein paar Curryblätter zugeben. Die Auberginen unterheben und mit Kokosmilch aufgießen, so dass alles gut bedeckt ist.
Das Curry lässt man bei niedriger Hitze einige Minuten ziehen, nicht stark kochen. Zum Schluss mit Salz und einem Spritzer Limette abschmecken.
Das Ergebnis ist weich, cremig, würzig und erstaunlich sättigend.
Variante Brinjal Moju (süß-sauer, sehr typisch)
Hier werden die Auberginen zuerst knusprig frittiert. Danach kommen Zwiebeln, Senfsamen, Knoblauch, Chili, etwas Essig und ein Hauch Zucker dazu. Dieses Gericht ist weniger cremig, dafür kräftig, leicht süß-sauer und wird oft als Beilage serviert.
Fleisch und Fisch spielen eine untergeordnete Rolle. Fisch vor allem an der Küste, Huhn gelegentlich im Landesinneren. Sie sind Ergänzung, nicht Mittelpunkt. Die Küche funktioniert auch vollständig ohne sie.
Was mir besonders aufgefallen ist: Essen wird nicht überhöht, aber ernst genommen. Man isst gemeinsam, langsam, ohne Ablenkung. Essen ist Versorgung und nicht Inszenierung.
Für mich zeigt die Ernährung in Sri Lanka, wie ausgewogen eine Küche sein kann, wenn sie sich auf das Wesentliche beschränkt.
Reis, Curry, Kokosmilch, Gewürze mehr braucht es nicht.
Oder, wie unser Reiseführer sagen würde
Reis mit Curry – oder Curry mit Reis.
Ayurbowan Gabriele 🙏
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