Ihr Lieben,

der Oktober ist ein Monat zwischen den Welten. Das Licht wird weicher, die Tage werden spürbar kürzer und die Natur beginnt, ihre Kraft langsam aus dem Außen zurückzuziehen. Die Blätter verändern ihre Farben, bevor sie sich lösen, und die Bäume erinnern uns auf ihre ganz eigene Weise daran, dass Loslassen nicht das Ende von etwas sein muss, sondern Teil eines natürlichen Kreislaufs ist. Auch die energetische Qualität dieses Oktobers trägt diese Bewegung in sich. Vieles möchte noch einmal betrachtet, gefühlt und vielleicht neu bewertet werden. Es geht weniger darum, mit aller Kraft etwas Neues zu beginnen, sondern darum, klarer zu erkennen, was wirklich zu uns gehört und was wir nur noch aus Gewohnheit, Loyalität oder Angst festhalten.

Wir befinden uns weiterhin im kraftvollen Jahr des Feuer-Pferdes. Diese Energie steht für Bewegung, Freiheit, Eigenständigkeit und den Wunsch, den eigenen Weg zu gehen. Feuer kann uns begeistern und den Mut schenken, Veränderungen endlich anzustoßen. Doch wenn zu viel Feuer entsteht, kann aus Begeisterung Unruhe werden, aus Entschlossenheit Ungeduld und aus dem Wunsch nach Veränderung das Gefühl, ständig etwas tun zu müssen.

Der Oktober möchte diese Energie sammeln.

Ab dem 8. Oktober beginnt nach dem chinesischen Sonnenkalender der Monat des Erd-Hundes. Die Erde bringt etwas Beruhigendes und Stabilisierendes in die bewegte Feuerenergie. Der Hund wiederum steht symbolisch für Loyalität, Aufrichtigkeit und die Frage, wem oder was wir wirklich verbunden sein möchten.

Vielleicht geht es deshalb in diesem Monat nicht darum, schneller voranzukommen, sondern bewusster zu entscheiden, wohin wir überhaupt gehen wollen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die rückläufige Venus ab dem 3. Oktober. Venus berührt unsere Beziehungen, unseren Selbstwert, unsere Bedürfnisse und alles, was wir als schön und wertvoll empfinden. Wenn sie rückläufig wird, richtet sich der Blick stärker nach innen.

Alte Beziehungsthemen können wieder auftauchen. Begegnungen oder Erinnerungen können uns berühren, von denen wir glaubten, sie längst hinter uns gelassen zu haben. Vielleicht erkennen wir auch deutlicher, an welchen Stellen wir uns angepasst haben, um Harmonie zu bewahren, obwohl wir dabei unsere eigenen Bedürfnisse übergangen haben.

Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr wie kann ich es allen recht machen?

Sondern was brauche ich, um mir selbst treu zu bleiben und trotzdem mit anderen verbunden zu sein?

Der Neumond in der Waage am 10. Oktober greift dieses Thema auf. Die Waage sucht Verbindung und Harmonie, doch wirklicher Frieden entsteht nicht dadurch, dass wir Konflikte vermeiden. Er entsteht dort, wo wir lernen, unsere eigene Wahrheit ebenso ernst zu nehmen wie die Bedürfnisse unseres Gegenübers.

Portaltage im Oktober

Um die Monatsmitte wird die Energie noch einmal tiefer. Pluto wird wieder direktläufig, und fast zeitgleich liegen am 15. und 16. Oktober zwei Portaltage unmittelbar hintereinanderPluto steht für jene Wandlungsprozesse, die nicht an der Oberfläche stattfinden. Er führt uns dorthin, wo alte Ängste, Macht- und Ohnmachtserfahrungen oder längst überholte Muster verborgen liegen. Manches, was in den vergangenen Monaten innerlich gearbeitet hat, kann nun deutlicher werden.

Vielleicht erkennen wir plötzlich, warum wir in bestimmten Situationen immer wieder ähnlich reagieren. Vielleicht verstehen wir, warum uns ein bestimmtes Thema nicht loslässt. Oder wir spüren sehr deutlich, dass etwas, das lange zu unserem Leben gehört hat, nicht mehr zu dem Menschen passt, der wir heute sind. Gerade die beiden aufeinanderfolgenden Portaltage können eine schöne Einladung sein, etwas stiller zu werden. Nicht jede Erkenntnis muss sofort in eine Handlung umgesetzt werden. Manchmal braucht eine Veränderung zunächst Raum, bevor sie ihre Richtung findet.

Weitere Portaltage liegen im Oktober am 4., 8., 23. und 29. Oktober.

Portaltage werden in modernen spirituellen Deutungen des Maya-Tzolkin-Kalenders als energetisch besonders durchlässige Tage verstanden. Manche Menschen berichten an diesen Tagen von intensiveren Träumen, größerer Sensibilität, ungewöhnlichen Begegnungen oder einem stärkeren Bedürfnis nach Rückzug. Andere nehmen überhaupt keinen Unterschied wahr.

Deshalb müssen wir an einem Portaltag nichts Besonderes erwarten. Viel interessanter ist es, aufmerksam zu beobachten, was sich in uns zeigt.

Am 23. Oktober beginnt die Skorpionzeit. Damit verändert sich die Stimmung des Monats noch einmal. Der Skorpion möchte nicht an der Oberfläche bleiben. Er führt uns zu den tieferen Schichten unserer Gefühle und stellt manchmal Fragen, denen wir im Alltag gerne ausweichen.

Was ist wirklich wahr für mich oder was halte ich fest, obwohl es längst schwer geworden ist?

Und was könnte entstehen, wenn ich nicht länger versuche, etwas zu bewahren, dessen Zeit vielleicht vorbei ist?

Am 24. Oktober wird Merkur rückläufig. Kommunikation und Entscheidungen verlangen nun etwas mehr Aufmerksamkeit. Missverständnisse können leichter entstehen, alte Gespräche können wieder aufgenommen werden und Themen, die noch nicht vollständig geklärt wurden, können erneut vor uns stehen.

Doch auch darin liegt eine Chance. Nicht alles, was zurückkehrt, kommt zurück, um wieder Teil unseres Lebens zu werden. Manches kehrt zurück, damit wir es diesmal anders verstehen und schließlich abschließen können.

 

 

Der Vollmond im Stier am 26. Oktober bringt anschließend eine wohltuende Erdung in diese intensive Zeit. Der Stier erinnert uns an unseren Körper, an unsere Sinne und an die einfachen Dinge, die uns Halt geben.

Ein warmes Essen. Ein Spaziergang durch den Herbstwald. Die Wärme einer Decke. Ein vertrauter Mensch. Eine Hand auf dem eigenen Herzen. Ein Moment, in dem wir nichts leisten müssen.

Vielleicht ist Sicherheit viel weniger kompliziert, als wir manchmal glauben.

Und genau an dieser Stelle begegnen sich die astrologische Zeitqualität und die Traditionelle Chinesische Medizin auf besonders schöne Weise. In der TCM gehört der Herbst zum Element Metall und damit vor allem zu Lunge und Dickdarm. Beide Organe erzählen auf körperlicher Ebene dieselbe Geschichte, die uns auch die Natur im Oktober zeigt: aufnehmen und wieder abgeben. Die Lunge nimmt mit jedem Atemzug Neues auf. Der Dickdarm lässt los, was der Körper nicht mehr benötigt. Auch emotional wird das Metallelement mit Abschied und Trauer verbunden. Dabei bedeutet Trauer nicht nur den Verlust eines Menschen. Wir können um Lebensphasen trauern, um Beziehungen, um nicht erfüllte Wünsche oder sogar um eine frühere Version unserer selbst.

Manchmal halten wir an etwas fest, weil es einmal wichtig für uns war. Doch etwas wertzuschätzen bedeutet nicht, dass wir es für immer festhalten müssen.

Auch körperlich verändert sich mit dem Herbst einiges. In der TCM gilt Trockenheit als typische Belastung dieser Jahreszeit. Trockene Haut und Lippen, gereizte Schleimhäute, trockener Husten oder ein träger Darm können sich jetzt stärker bemerkbar machen.

Unsere Ernährung darf deshalb wieder wärmer und nährender werden. Suppen und Eintöpfe, Kürbis und Wurzelgemüse, Reis und Hafer, gedünstete Äpfel und Birnen sowie Mandeln und Walnüsse passen wunderbar in diese Jahreszeit. Auch warme Getränke tun jetzt häufig wohler als große Mengen kalter Getränke.

Besonders wichtig ist im Herbst außerdem der Atem.

Vielleicht möchtest du dir im Oktober immer wieder einen kleinen Moment dafür schenken. Stelle dich ans offene Fenster oder gehe hinaus in die Natur. Atme langsam und bewusst ein und spüre, wie du neue Kraft aufnimmst. Lass anschließend den Atem ruhig und etwas länger wieder ausströmen.

Beim Einatmen kannst du innerlich sagen

Ich nehme auf, was mich stärkt.

Und beim Ausatmen

Ich lasse gehen, was ich nicht mehr tragen möchte.

Der Oktober verlangt nicht von uns, alles zu verändern. Vielleicht möchte er uns vielmehr zeigen, was sich bereits verändert hat.

Die Natur macht es uns vor. Ein Baum fragt nicht, ob er sein Blatt vielleicht doch noch ein wenig länger festhalten sollte. Wenn die Verbindung sich löst, lässt er es fallen. Seine Kraft verschwindet dadurch nicht. Sie zieht sich zurück in seine Wurzeln, sammelt sich und wartet dort auf einen neuen Frühling.

Vielleicht ist genau das die Botschaft dieses Oktobers

Nicht alles, was wir loslassen, verlieren wir. Manches verwandelt sich in Erfahrung, manches in Weisheit – und manches schafft endlich den Raum, den unsere Seele für etwas Neues braucht.

Ich wünsche dir einen goldenen Oktober mit Zeit zum Innehalten, mit wärmenden Momenten und mit dem Vertrauen, deiner eigenen inneren Stimme zu folgen.

Herzlichst

Gabriele Baum