Beim Spazierengehen durch das bunte Herbstlaub bin ich in den vergangenen Tagen nachdenklich geworden. Unter meinen Füßen raschelten die Blätter, die Bäume zeigten sich noch einmal in ihrer ganzen Farbenpracht, während sich die Natur allmählich auf den Winter vorbereitete. Es lag etwas Besonderes in dieser Stimmung. Eine Mischung aus Schönheit, Vergänglichkeit und wohltuender Ruhe. Ich blieb einen Moment stehen und dachte darüber nach, wie selbstverständlich die Natur loslässt. Die Bäume halten ihre Blätter nicht fest, obwohl sie den ganzen Sommer über zu ihrem Erscheinungsbild gehört haben. Sie geben sie frei, wenn ihre Zeit gekommen ist. Vielleicht liegt gerade darin eine Weisheit, von der wir Menschen uns manchmal etwas abschauen könnten. Wie oft fällt es uns schwer, Dinge hinter uns zu lassen? Wir bewahren Erinnerungen, halten an Erwartungen fest, tragen alte Verletzungen mit uns und beschäftigen uns mit Situationen, die längst vergangen sind. Manchmal klammern wir uns sogar an Lebensweisen, die uns nicht mehr entsprechen, nur weil sie uns vertraut sind.
Doch was wäre, wenn Loslassen nicht bedeutet, etwas zu verlieren, sondern Raum für das eigene Leben zurückzugewinnen?
Der Dezember lädt uns dazu ein, innezuhalten. Ein Jahr neigt sich dem Ende zu, und mit ihm gehen viele Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen. Manche haben uns bereichert, andere herausgefordert. Vielleicht gab es Abschiede, unerwartete Wendungen oder Momente, in denen wir über uns hinauswachsen mussten. Nicht alles ist so verlaufen, wie wir es uns vorgestellt hatten. Und doch hat jede Erfahrung etwas in uns bewegt. Oft schauen wir zum Jahresende vor allem auf das, was wir erreicht oder nicht erreicht haben. Wir ziehen Bilanz, schmieden Pläne und überlegen, was im kommenden Jahr anders werden soll. Dabei vergessen wir leicht, auch einmal anzuerkennen, welchen Weg wir bereits zurückgelegt haben. Vielleicht wäre es viel wertvoller, uns selbst mit etwas mehr Nachsicht zu begegnen. Manches würden wir heute vielleicht anders entscheiden, einige Hoffnungen haben sich nicht erfüllt und bestimmte Erfahrungen erschließen sich uns erst mit zeitlichem Abstand. Doch wir dürfen darauf vertrauen, dass auch unerwartete Wege uns wertvolle Erkenntnisse schenken und uns dabei helfen, mit unserer eigenen Geschichte Frieden zu schließen. Manchmal besteht innere Reife gerade darin, anzunehmen, dass das Leben nicht immer unseren Vorstellungen folgt.
Ein Gedanke für die stille Zeit
Vielleicht magst du dir in diesem Dezember einen Augenblick nehmen und dich fragen
Was aus diesem Jahr möchte ich in dankbarer Erinnerung behalten?
Welche Erfahrungen haben mich stärker, bewusster oder vielleicht auch ein wenig weiser gemacht?
Und was darf ich zurücklassen, damit ich dem kommenden Jahr mit mehr Leichtigkeit begegnen kann?
Es geht dabei nicht darum, alles Vergangene abzuschließen oder unangenehme Gefühle einfach beiseitezuschieben. Vielmehr dürfen wir anerkennen, was war, ohne es immer wieder neu durchleben zu müssen. Wenn ich an den Spaziergang durch das Herbstlaub zurückdenke, bleibt mir vor allem ein Gedanke. Die Natur zeigt uns jedes Jahr aufs Neue, dass Veränderung zum Leben gehört. Auf das Loslassen folgt nicht das Ende, sondern eine Zeit der Ruhe, aus der irgendwann neues Wachstum entsteht. Vielleicht dürfen auch wir darauf vertrauen, dass nicht jede Veränderung sofort verstanden werden muss und dass in jedem Abschied bereits die Möglichkeit eines neuen Anfangs liegen kann.
Ein gemeinsamer Abschluss des Jahres
Bevor sich das Jahr verabschiedet, möchte ich dich herzlich zu meiner Jahresabschlussmeditation am 7. Dezember um 17 Uhr einladen. In einer gemeinsamen Zeit der Ruhe wollen wir das vergangene Jahr bewusst verabschieden, innerlich loslassen, was nicht mehr zu uns gehört, und uns für das öffnen, was vor uns liegt. Ich freue mich, wenn du dabei bist und wir diesen besonderen Moment miteinander teilen.
Eine kleine persönliche Information
Ab dem 10. Dezember bin ich im Urlaub und gönne mir eine Auszeit bis Anfang Januar. In dieser Zeit werde ich meine Arbeit ruhen lassen und neue Kraft sammeln.
Ich wünsche dir von Herzen eine lichtvolle Adventszeit, besinnliche Weihnachtstage und einen guten Übergang in das neue Jahr. Mögest du mit Dankbarkeit auf das zurückblicken, was war, und mit offenem Herzen dem entgegengehen, was noch vor dir liegt.
Von Herzen
Gabriele Baum