Sri Lanka hat sich mir nicht nur in Landschaften und Begegnungen gezeigt, sondern in Düften, die plötzlich da waren und genauso schnell wieder verschwanden und doch etwas in mir berührt haben, das sich kaum in Worte fassen lässt. Da ist der feine Rauch der Räucherstäbchen in den Tempeln, süß und warm, fast schwebend in der stillen Luft. Ein Duft, der nicht aufdrängt, sondern den Raum sanft erfüllt, als würde er Gebete tragen, die niemand laut ausspricht. Jedes Einatmen fühlt sich an wie ein kurzer Moment der Ruhe. Dann die feuchte Erde nach einem tropischen Regen, sie duftet schwer, dunkel und lebendig. Ein Geruch nach Wachstum, nach Werden und Vergehen zugleich. Darin liegt etwas Ursprüngliches, fast Vergessenes eine stille Erinnerung daran, dass auch ich Teil dieser Natur bin. Überall begleitet mich der Duft von Tee, besonders im kühlen Hochland. Frisch, grün, manchmal leicht herb, vermischt mit klarer Bergluft und einem Hauch von Holzrauch aus den Häusern. Dieser Geruch wirkt ruhig und weit, fast wie ein tiefer Atemzug für die Seele.
Und immer wieder das Meer, salzig, offen und grenzenlos. Ein Duft nach Freiheit und Ruhe zugleich. Wenn der Wind vom Indischen Ozean herüberweht, verbindet sich alles miteinander Wasser, Wärme, Sand und Leben. In solchen Momenten denke ich nichts mehr, ich atme nur.
Ganz anders sind die Märkte. Dort verdichten sich die Gerüche zu einem lebendigen, fast überwältigenden Teppich aus Eindrücken. Süße Früchte, frisches Gemüse und die warmen, tiefen Düfte der Gewürze liegen in der Luft Zimt, Kardamom, Kurkuma und Chili. Alles riecht nach Fülle, nach Erde und Leben. Dazwischen stehen auch die schweren, fremden Gerüche von Fisch und Fleisch, manchmal streng, manchmal kaum auszuhalten in der Hitze des Tages. Doch selbst das gehört zu den Märkten und Menschen. Es ist das wirkliche Leben in Sri Lanka. Zwischen all diesen Düften bewegen sich unzählige Menschen, jeder bringt seine eigene Spur mit Seife, Schweiß, Stoffe, Rauch, Parfüm oder Sonne. Eine stille Erinnerung daran, wie vielfältig Leben ist, wie nah Freude, Arbeit und Alltag beieinanderliegen. Nichts ist getrennt, alles existiert gleichzeitig. Vielleicht erzählen Gerüche mehr Wahrheit als Worte. Sie gehen direkt ins Herz, ohne Umweg über den Verstand. Und genau deshalb tragen sie Erinnerungen so tief in sich. Wenn ich heute die Augen schließe, sehe ich Sri Lanka nicht zuerst. Ich versuche mich an die Düfte zu erinnern.
Und sofort ist alles wieder da, die Stille der Tempel, die Wärme der Erde, der Atem der Berge, die Weite des Meeres, und das pulsierende Leben der Märkte.
Manche Reisen enden doch ihre Düfte bleiben
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