Wenn ich durch buddhistische Tempel gehe, fällt mir immer wieder die Lotusblüte ins Auge. Manchmal als frische Blume in den Händen der Gläubigen, manchmal als Opfergabe aus Stein, direkt vor dem Tempel in den Boden gemeißelt. Die Lotusblüte ist eines der wichtigsten Symbole im Buddhismus. Sie wächst im Schlamm, im trüben Wasser, und doch erhebt sie sich darüber klar, rein und unversehrt. Genau darin liegt ihre Kraft. Sie zeigt, dass Erwachen nicht trotz der Dunkelheit geschieht, sondern aus ihr heraus. Leiden, Verstrickung, und Unwissen all das ist der Schlamm. Bewusstsein, Mitgefühl und Klarheit sind die Blüte. Ich empfinde den Lotus als Einladung ncht perfekt sein zu müssen und nicht sauber geboren zu werden. Sondern den eigenen Weg zu gehen aus dem, was ist.
Dass vor fast jedem buddhistischen Tempel eine Lotusblüte in Stein gemeißelt liegt, hat eine tiefe Bedeutung. Bevor man den heiligen Raum betritt, tritt man symbolisch auf den Lotus. Das bedeutet:
Ich lasse das Weltliche zurück.
Ich betrete den Tempel mit Achtung.
Ich erinnere mich daran, dass auch in mir Reinheit möglich ist.
Diese Stein-Lotusblüten sind oft schlicht und fast unscheinbar. Und doch sind sie eines der stärksten Symbole überhaupt. In vielen Darstellungen sitzt Buddha selbst auf einer Lotusblüte. Für mich bedeutet es, dass Erleuchtung kein Abheben ist, sondern ein ruhiges Getragensein. Der Lotus trägt ohne zu besitzen und er öffnet sich ohne zu fordern. Wenn Menschen im Tempel eine Lotusblüte opfern, dann bitten sie nicht um Reichtum oder Erfolg. Sie bitten um Klarheit und Frieden. Um ein Herz, das offen bleibt, auch wenn das Leben schlammig wird.
Ich persönlich liebe den Lotus, weil er nichts beschönigt. Er sagt nicht, alles ist Licht sondern Licht wächst. Und vielleicht liegt genau deshalb vor jedem Tempel diese steinerne Lotusblüte. Als Erinnerung beim Eintreten und als leiser Auftrag beim Hinausgehen:
Geh zurück in dein Leben und blühe genau dort, wo du stehst.
Ayubowan Gabriele 🙏
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