Elefanten beobachten im Minneriya Wildlife Park

 

Wir stehen während der Fahrt auf den Sitzen, das Dach des Jeeps ist offen. Der Fahrtwind weht durch unsere Haare, warm und zugleich erfrischend, trägt den Duft von trockenem Gras, Erde und Wasser mit sich. Ich halte mich am Gestänge fest, lasse den Blick schweifen und fühle mich seltsam frei. Als wäre zwischen Himmel und Erde plötzlich mehr Platz. Der Moment ist roh, lebendig und ungefiltert. Der Jeep rollt langsam durch den Minneriya Wildlife Park, und genau dieses Stehen, dieses Nicht sitzen müssen, verändert alles. Ich bin nicht abgeschirmt, nicht geschützt, nicht Zuschauerin hinter Glas. Ich bin mitten drin. Der Wind streicht über mein Gesicht, spielt mit den Haaren, trocknet den Schweiß auf der Haut. Ich lache kurz auf, einfach weil es sich gut anfühlt, so da zu sein. Vor uns öffnen sich die Wasserstellen. Weite, flimmernde Flächen, umrahmt von Grasland und vereinzelten Bäumen. Und dann sind sie da. Elefantenherden, ganz nah und doch in ihrer eigenen Welt. Von oben, im Stehen, wirkt alles noch intensiver. Die Größe der Tiere, ihre Präsenz, ihre Ruhe. Ich sehe, wie sie langsam ins Wasser gehen, wie der Schlamm an ihren Beinen hochspritzt, wie sie den Rüssel eintauchen, Wasser holen, sich selbst begießen. Manche stehen reglos, als würden sie meditieren. Andere bewegen sich schwerfällig und gleichzeitig erstaunlich sanft.

Wir fahren langsam weiter, fast schwebend über die staubige Piste, als würde selbst der Jeep Rücksicht nehmen. Der Fahrtwind hat nachgelassen, die Stimmung wird stiller und gespannter. Plötzlich taucht ein Jungtier auf. Ganz allein kommt es aus dem hohen Gras, unsicher und suchend. Es bleibt mitten auf dem Weg stehen, genau zwischen den Jeeps, und stößt einen schrillen, verzweifelten Ruf aus. Kein sanftes Brummen mehr, sondern ein klares Schreien nach Schutz, nach Nähe, nach seiner Mutter. Mir zieht es sofort das Herz zusammen. Dieser Laut geht direkt unter die Haut. Augenblicklich bleiben alle Autos stehen, niemand sagt etwas. Niemand bewegt sich alle halten vor Aufregung die Luft an. Es ist, als hätte sich die ganze Szene in einem einzigen Atemzug angehalten. Das Jungtier dreht den Kopf hin und her, ruft erneut, noch eindringlicher. Ich spüre meine eigene Anspannung, dieses hilflose Mitfühlen, dieses uralte Wissen darum, wie existenziell Nähe in solchen Momenten ist.

Dann erscheint die Mutter, riesig und mächtig kommt sie aus dem hohen Grasaus. Mit schnellen, entschlossenen Schritten. Ihre Präsenz verändert sofort die Atmosphäre. Bedrohlich, schützend und kompromisslos. Ihr Körper spannt sich, die Ohren sind leicht abgespreizt ihr Blick klar. Hier gibt es keine Diskussion und keine Unsicherheit. Das Jungtier läuft ihr entgegen, stolpert fast vor Erleichterung, und verschwindet dann unter ihrem Bauch. Ganz klein und verletzlich. Die Mutter stellt sich breitbeinig darüber, schirmt es ab, ihr ganzer Körper eine lebendige Schutzmauer. Ich halte unwillkürlich den Atem an. Dieser Moment ist so ursprünglich, so kraftvoll, dass mir Tränen in die Augen steigen. Mutterliebe, ungefiltert, unverhandelbar ist größer als alles andere.

Für ein paar Sekunden stehen wir einfach nur da und schauen. Die Mutter bleibt noch einen Moment stehen, prüft die Umgebung, dann bewegt sich die kleine Familie langsam zurück zur Herde. Das Jungtier eng an ihrer Seite, der Rüssel suchend und beruhigt. Erst als sie wieder im Gras verschwunden sind, setzt sich der erste Jeep ganz vorsichtig in Bewegung. Auch wir fahren weiter, leise, beeindruckt und innerlich tief berührt. Etwas in mir hat sich verschoben. Dieser Augenblick war mehr als ein schönes Erlebnis. Er war eine Erinnerung daran, wie stark Schutz, Vertrauen und Verbundenheit wirklich sind.

Der Fahrtwind bringt Geräusche mit sich. Ein tiefes Brummen, das ich eher im Brustkorb als in den Ohren wahrnehme. Das Schnauben der Tiere. Das leise Platschen von Wasser. Und dazwischen diese große, tragende Stille, die nur die Natur kennt. Alles geschieht in einem Tempo, das sich richtig anfühlt. Ich beobachte eine Gruppe Jungtiere, die im Wasser spielen, sich gegenseitig anstoßen, rutschen, lachen ja, es fühlt sich an wie Lachen. Die älteren Elefanten bleiben ruhig, aufmerksam und präsent. Sie greifen nicht ein, solange es nicht nötig ist. Diese Selbstverständlichkeit von Schutz und Vertrauen rührt mich tief. 

Während der Jeep langsam weiterfährt, der Wind stärker wird und mir die Haare ins Gesicht weht, spüre ich, wie mein Kopf leer wird. Ich merke, wie mein Körper sich aufrichtet, wie mein Atem tiefer wird. Als würde sich in mir etwas aufstehen, sich erinnern, wie sich echtes Leben anfühlt. Dieser Moment stehend im offenen Jeep der Wind im Haar die Elefanten vor Augen brennt sich ein. Er ist wild und sanft zugleich. Frei und geerdet und ich weiß genau deshalb bin ich hierher gekommen. Nicht für Fotos und nicht für Geschichten. Sondern für dieses Gefühl von Verbundenheit, das still und kraftvoll zugleich ist.

Tief beeindruckt fahren wir wieder zurück in unser Hotel.

Ayubowan Gabriele 🙏

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