Kapitel 1
1971
Es klopft am Fenster, ich liege in meinem Bett und versuche zu schlafen. Was war das, hat es da wirklich am Fenster geklopft? Ich bin 15 Jahre alt, wohne mit meinen Eltern, die nebenan schlafen in einem Haus in einem Dorf. Wir wohnen etwas außerhalb des Dorfes.
Es klopft noch einmal und ich schaue hinaus. Da steht doch tatsächlich Georg, der Sohn meiner Chefin winkt mir und grinst mich an.
Wie aufregend schon eine ganze Weile läuft er mir hinterher. Immer wenn ich auf meiner Arbeit, ich bin ein Lehrling bei seinen Eltern, das sich in der Praxis angesammelte Papier im Ofen im Keller verbrennen will, steht er wie aus dem Nichts auf einmal vor mir. Starr steht er dort, ohne etwas zu sagen. Er steht einfach nur da und starrt mich an. Ich habe Angst vor ihm und gleichzeitig ist da jemand, der sich für mich interessiert. Bisher durfte ich noch niemals ausgehen. Immer wenn ein Junge aus meiner Schule sich für mich interessierte und versuchte, mich zu Hause anzurufen. Ging mein Vater ans Telefon, so als könnte er riechen, dass das Gespräch für mich sein würde. Er schrie ins Telefon, ich sei nicht da und sei auch in Zukunft nicht da. Dann kam er zu mir ins Zimmer und schrie mich an, ich sei eine Nutte und würde niemals mit einem Jungen ausgehen dürfen.
In der Schule wurde ich deswegen schon schief angesehen und gemieden. Selbst meine Freundinnen mieden mich und die Jungs hatten schnell ein anderes Mädchen im Sinn. Und gingen mit ihnen stolz Arm in Arm über den Schulhof.
Mittlerweile bin ich nicht mehr in dieser Schule, denn ich machte eine Lehre, fühlte mich aber sehr einsam.
Und jetzt stand dieser Junge, der 1 Jahr älter war als ich vor meinem Fenster, und winkte mir zu.
Wie aufregend konnte auf einmal das Leben sein. Ich öffnete leise das Fenster, meine Eltern durften auf keinen Fall wach werden.
Komm, mach dein Fenster auf und klettere heraus, meinte er. In der Nähe ist ein Dorffest, da können wir hingehen.
Ich war zwar verängstigt, doch ich öffnete das Fenster und kletterte hinaus. Endlich war etwas los in meinem Leben. Wie spannend es ist, mit einem älteren Jungen auf ein Dorffest zu gehen.
Wieso hast du schon im Bett gelegen, meinte er. Es ist erst 9 Uhr. Ich erzählte ihm, dass ich jeden Abend um 7 Uhr im Bett liegen musste und wie streng meine Eltern waren. Wenn sie herausbekommen, was ich gerade mache, erschlägt mich mein Vater und meine Mutter wird grinsend daneben stehen.
Komm meinte er, es wird schon nicht so schlimm werden. Außerdem schlafen sie schon und wenn du zurückkommst, werden wir leise sein.
So liefen wir zu Fuß ins nächste Dorf, schon von weitem konnten wir die lustige Musik des Festes hören. Beim näherkommen sah ich wie ausgelassen und fröhlich alle waren und langsam verflogen meine Bedenken und meine Angst.
Wir standen an einem Bierstand, Georg, hatte schon einige Bier getrunken, schaute ich ihm in die Augen. Noch nie habe ich so schöne braune Augen gesehen. Er grinste mich an, denn er bemerkte meinen Blick. Ich wollte wieder nach Hause, doch er meinte, lass uns noch ein bisschen hier bleiben, es ist doch so schön und er zog mich dabei dicht an sich heran. Etwas zu dicht für meinen Geschmack. Noch nie war ich alleine mit einem mir doch fremden Jungen auf einem Dorffest und das auch noch mitten in der Nacht. Ich bekam Panik und wollte nur noch nach Hause. Sicher war mein Vater schon wach und fragte sich, wo ich war.
Er konnte jederzeit in mein Zimmer schauen denn ich musste meine Tür immer einen Spalt geöffnet haben,
Später stellte sich heraus, dass meine Panik nicht unbegründet war. Ich hatte schon immer eine gute Intuition.
Der Griff von Georg wurde immer fester und drängender. Ich wollte nur noch nach Hause. Er hatte zwar wunderschöne Augen, doch sein Bieratem war widerlich. Endlich war er bereit mich nach Hause zu bringen. Wir gingen durch die Felder, über uns glitzern die Sterne und es hätte sehr romantisch sein können, wäre er nicht immer aufdringlicher geworden. Er war wesentlich stärker als ich und er warf mich auf den Boden und legte sich auf mich, doch ich wehrte mich und schrie so laut ich konnte.
Auf einmal sauste ein Stein auf meinen Kopf. Georg hatte tatsächlich einen Stein an den Kopf geschlagen. Sei endlich ruhig, meinte er und stell dich nicht so an. Der Schmerz war unbegreiflich groß und ich merkte, wie ich eine riesige Beule bekam. Noch immer hob er drohend den Stein über meinen Kopf. Wenn du nicht ruhig bist erschlage ich dich meinte ere drohend.
Irgendwie konnte ich mich, ich weiß bis heute nicht, wie ich es schaffen konnte, losmachen. Sein schwerer Körper rollte von mir herunter. Ich wollte nur noch nach Hause laufen, sah nicht zurück und lief so schnell ich konnte. Ich lief einfach immer weiter. Mein Fenster war noch immer leicht geöffnet und ich krabbelte hinein, als auf einmal das Licht anging und mein Vater mich anschrie, wo ich gewesen wäre.
Ich erzählte ihm eine Lüge, ich hätte nicht schlafen können und wäre spazieren gegangen. Er glaubt mir natürlich nicht. Aber Greta, was erzählst du mir, da brüllt er wütend und schon boxt er auf mich ein. Wie ein Riese erscheint er mir, während er immer weiter zuschlägt.
Nach einiger Zeit ließ er von mir los, ich sah meine Mutter grinsend in der Tür stehen. Noch nie hatte sie ein liebes Wort für mich gehabt. Sie gab mir die Schuld für ihr, wie sie sagte, verkorkstes Leben.
Ich legte mich hin und versuchte, die kurze Zeit, die ich noch hatte, bevor der Wecker klingeln würde, zu schlafen.
Was mir nicht wirklich gelingen wollte. Was würde ich am nächsten Tag erwarten, wenn ich auf die Arbeit komme? Wie würde meine Chefin reagieren, wenn sie davon erfuhr?
Doch niemand sagte etwas, meine Kollegin fragte mich nach der Beule und ich log ihr vor, ich hätte mich gestoßen.
Marie meinte sie, ich glaube schon länger, dass es dir zu Hause nicht gut geht. Greta, wenn du mal Hilfe brauchst oder jemand zum Reden, dann bin ich für dich da. Sie war eine wunderschöne, groß gewachsene Frau mit langen blonden Haaren. Ich blickte sie dankbar an, sagte aber nichts.
Ein paar Tage später musste ich wieder in den Keller um Papier zu verbrennen. Natürlich kam Georg wieder runter und ich erschreckte mich fürchterlich.
Wie liebevoll er auf einmal war, als wäre nichts geschehen. Er machte mir Komplimente, meinte wie schön der Abend doch gewesen wäre und erkundigte sich, ob ich Ärger bekommen hätte. Wenigstens redete er jetzt mit mir und stand nicht da in einer Ecke, um mich zu beobachten.
Meine Angst, dich noch irgendwo in mir spürte, verschloss ich in mir und ich sah nur den jungen Mann mit den schönen braunen Augen, der sich da für mich zu interessieren schien.
Kapitel 2
1959
Georg war noch klein, als er das erste Mal erlebte, wie sein Vater seine Mutter verprügelte. Er war der kleinste von 3 Jungs in der Familie, seine Brüder waren jemals etwa 10 Jahre älter als er. Natürlich hatte sie keine Lust mit ihm zu spielen. Was sollen wir mit dir kleinem Scheißer sagten sie immer. Sie waren sehr beliebt bei den Frauen und der kleine Georg wollte auch einmal so werden wie sie. Bewundernd sah er ihnen hinterher, als er sah, als sie mit ihren Freundinnen in ihren Zimmern verschwanden. Da die Eltern den ganzen Tag nicht zu Hause waren, konnten sie machen und lassen was sie wollten. Allein die Haushälterin maßregeln sie manchmal, doch das interessiert sie nicht. So war der kleine Georg oft bei der Haushälterin in der Küche und sah ihr beim Kochen zu.
Seine Lieblingsbeschäftigungen waren Bücher lesen, Tiere quälen, wobei er sich immer vorstellte wie das wohl bei Menschen war, und kochen. Er liebte seine Mutter abgöttisch, doch sie hatte kein einziges liebes Wort für ihn. Nur den mittleren Bruder mochte sie scheinbar. Er glich ihr mit ihren schwarzen Haaren und ihrer schlanken Figur. Vom Wesen her war er genauso kalt und berechnend wie sie. Schau dir von Bruno ab, wie das Leben geht, meinte sie öfter. Sein Vater lachte nur, wenn ihm etwas passiert war, hahahahaha meinte er nur mit seinem dunklen Lachen, stell dich nicht so an. Er lachte überhaupt gerne über andere Menschen und redete gerne schlecht über sie. Es freute ihn jede Frau, die er sah rum zu bekommen, wie er das nannte und mit ihr zu schlafen. Dass seine Frau darüber traurig war, interessierte ihn nicht. Im Gegenteil. Er meint nur, sie ist ja selbst schuld, wenn sie mir nicht die Liebe gibt, die ich brauche. Sie ist halt kalt und unbarmherzig, was sie nebenbei gesagt auch wirklich war, also hole ich mir was ich brauche woanders. Seine Mutter schimpfte über ihn. Du bist wie dein Vater, meinte sie nur, schäm dich, wie du mit den Frauen umgehst. Doch er lachte nur laut so dass das ganze Haus dröhnte. Ich bin der Herr hier im Haus und ich mache was ich will.
Einige Jahre später, Georg war inzwischen 11 Jahre alt bekam sein ältester Bruder Lymphdrüsenkrebs. Er war inzwischen ausgezogen und studierte in Berlin Medizin, er hatte zwar eine feste Freundin dort, wo sein Elternhaus war, doch auch in Berlin ließ er, wie sein Vater, nichts anbrennen. Jetzt lag er in der Charité in Berlin und kämpfte um sein Leben. Georgs Eltern konnten nicht so oft nach Berlin fahren, denn sie waren selbständig. So konnten sie nicht bei ihm sein, als ihr Erstgeborener starb. Georgs Vater tobte und schlug alles zu Hause kurz und klein, seine Mutter versank in tiefer Trauer. Und Georg wurde immer einsamer. Er hatte seinen ältesten Bruder vergöttert und jetzt war er nicht mehr da. Mama, kann ich sein Zimmer haben. Ich möchte oben unter dem Dach in seinem Zimmer wohnen, fragte er sie mit bittendem Blick. Und so zog er nach oben unters Dach ins Zimmer seines verstorbenen Bruders mit all den Habseligkeiten seines Bruders.
Hier oben störte ihn jetzt niemand mehr. Wenn er früher unter dem Esstisch gesessen hatte, in ein Buch vertieft, hatte ihn niemand bemerkt. Doch er konnte still und leise alle beobachten und alle Gespräche mithören. Einzig und allein die Haushälterin wusste, wo er war. Möchtest du etwas leckeres Essen, fragte sie ihn manchmal leise und liebevoll und schon stand etwas Leckeres vor ihm. Sie war die einzige, die sich ab und zu um ihn kümmerte. Doch abends ging sie nach Hause und er war wieder alleine. Dann ging er nach oben in sein neues Zimmer, stöberte in den für ihn heiligen Sachen seines Bruders und schoss ab und zu mit dem Gewehr seines Bruders auf Vögel und Katzen. Manchmal traf er auch ein kleines Kind, aber immer so, dass es nur ein Streifschuss war. Doch keiner wusste wo das herkam und keiner wusste von seinen abartigen Gedanken andere Menschen quälen zu wollen. Einzig und allein diese Gedanken gaben ihm Befriedigung und einen Sinn im Leben. Er malte sich hier oben im Stillen aus, was er alles machen konnte.
Sein Vater begann zu trinken, schon im Krieg, er war in Russland und in Holland, hatte er schon viel getrunken. Beim Essen erzählte er manchmal, dass sie so gefroren haben, dass sie reinen Isopropyl Alkohol getrunken hatten, um sich zu wärmen. Er hat schon immer gerne Wein getrunken. Doch jetzt, nach dem Tod seines Erstgeborenen, trank er sich jeden Tag bewusstlos. Es ist eine Strafe für mich, sagte er immer. Gott will mich bestrafen, ich will nicht mehr leben, ich habe es nicht verdient weiterzuleben, wenn mein Erstgeborener tot ist. Er war sehr gläubig und glaubte, dass der Erstgeborene der wichtigste Sohn ist, der kostbarste Sohn ist.
Inzwischen hatte eine seiner Geliebten ein Kind von ihm bekommen. Er kaufte ihr und ihrem Mann ein Haus und damit war es für ihn erledigt. Er kümmerte sich weder um dieses Kind noch um seine anderen Söhne. Sein Ziel war es, sich zu Tode zu trinken.
Kapitel 3
Als ich noch klein war, wohnten wir noch im Haus meiner Großeltern. Beide Großeltern gingen den ganzen Tag arbeiten. Opa kam gegen 5 Uhr nach Hause und Oma gegen 6 Uhr.
Mein Vater war ebenso den ganzen Tag auf der Arbeit. Da es damals verpönt war, als Frau arbeiten zu gehen, was meine Oma nicht interessierte, blieb meine Mutter zu Hause. Sie hatte gelernt, man hört auf das, was der Mann sagt. Auch macht Frau nichts, bevor Frau nicht den Mann vorher um Erlaubnis gefragt hat. Es war in der Gesellschaft tatsächlich so üblich, dass die Frau nur machen durfte, was der Mann erlaubte. Mein Gefühl als Kind war Frauen dürfen erst atmen, wenn der Mann das erlaubt. In unserem Flur hing eine kleine Tafel aus Holz darauf stand: Wenn die Rosen verblühen, verduften die Männer.
Dieser Spruch hat mich lange beschäftigt. Bis ich ihn irgendwann als Erwachsene verstanden habe.
So war meine Mutter, die nie Kinder haben wollte, oben in unserer 2 Zimmer Wohnung und machte das, was alle Frauen früher machten. Sie putze jeden Tag, sie bügelte alles was ihr in die Finger kam, sie kochte, backte, und kochte Obst und Gemüse ein und langweilte sich. Tausend mal am Tag schaute sie in den Spiegel Greta, bin ich auch nicht zu dick? Hoffentlich verblühe ich nicht so schnell. Greta fragte sich, was sie damit meinte, verblühen, wie kann eine Frau verblühen. Aber Mutti, meinte sie, du kannst doch gar nicht verblühen. Du bist doch wunderschön. Ach Greta, du hast ja keine Ahnung, schau dich an mit deinen 10 Jahren. Du musst später darauf achten, dass deine Taille immer schlank ist, du keinen Bauch bekommst und immer machen, was dein Mann will. So ist das Leben einer Frau. Jetzt machst du, was der Vati möchte. Sei still, du störst mich, ich brauche meine Ruhe. Sie schickte mich, egal bei welchem Wetter, raus zum Spielen. Du störst mich nur, sagte sie immer wieder. Hätte ich doch nie Kinder bekommen. Du bist das schlimmste Kind überhaupt, du störst machst krach und bist nicht brav. Brave Kinder sitzen lieb in der Ecke und stören nicht.
So ging ich raus und…………. tja , es war niemand da zum spielen.
In der Siedlung inder das Haus meiner Großeltern stand waren keine anderen Kinder.. Die Großväter waren alle noch in Kriegsgefangenschaft und die Kinder noch nicht alt genug, um eigene Kinder zu bekommen und trotzdem zu groß, um mit mir zu spielen.
Manchmal kam ein Lastwagen auf dem Männer saßen und alle liefen hinaus um zu schauen welcher Mann aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause kam. Es gab viele Tränen unter den Frauen, denn manche Männer kamen gar nicht mehr nach Hause. Es hieß dann, sie seien im Krieg oder in Gefangenschaft gestorben. Aber wirklich wusste niemand, was mit ihnen geschehen war.
Im Garten meines Opas stand ein Fliederbusch. Darüber hängte ich mir eine Decke, holte meine Puppe mit runter und spielte in meinem selbstgemachten Häuschen. Erträumte mir das Leben von Vater, Mutter und Kind und viel Geborgenheit. Der Duft des Flieders hüllte mich ein und gab mir das Gefühl von einer scheinbaren Geborgenheit. Sehnsüchtig wartete ich darauf, dass mein Opa um 5 Uhr nach Hause kam. Als erstes kam er zu mir und fragte mich, wie es mir geht. Manchmal hörte ich ihn mit großen schweren müden Schritten kommen. Dann lief ich ihm mit einem lauten Opa Opa entgegen. Sofort nahm er mich in den Arm und trug mich nach Hause.
In seinem Garten war ein großes Taubenhaus, in dem er Tauben züchtete. Wir setzten uns auf eine Bank, die gegenüber der Tauben stand und beobachteten die Tauben in ihrem Flug.
Ich erzählte ihm von meinen Träumen von Männern, die nach Hause gekommen waren und Flugzeugen, die so schnell und tief über unser Haus geflogen waren. Ach, die Stukas sagte er dann immer, hoffentlich hatten sie keine Bomben mehr. Ich hatte schreckliche Angst vor diesen Stukas, denn immer wenn eine zu hören war, legte meine Mutter sich auf den Boden und schrie ganz fürchterlich.
Kapitel 4
1970
Georg war mittlerweile 16 Jahre alt als seine Eltern ein neues Lehrling Mädchen bekamen. Sie gefiel ihm gut mit ihren langen Haaren und ihrer schlanken Figur. Aus der Schule hatte er einmal eine Freundin mit in sein Zimmer gebracht. Sein betrunkener Vater hatte das mitbekommen. Stürmte das Zimmer und schleifte das Mädchen an den Haaren die Treppe hinunter aus dem Haus. Dabei schrie er Gott erlaubt keinen Sex vor der Ehe.
Georg sah seinen Vater und seine Brüder als sein Männer Vorbild und so dachte er, das müsse alles so sein. Er probierte auch Alkohol aus, trank mit seinen Freunden in der Schule, Lambrusco versackte mit ihnen in Kneipen und wurde immer schlechter in der Schule.
War er zu Hause, schlich er sich leise, sobald er mitbekam, dass ich in den Keller ging, um Papier zu verbrennen, in den Keller. Es gefiel ihm, meine Angst vor ihm zu sehen. Doch er wollte mich für sich haben. Die Mädchen in der Schule hatten Angst vor ihm und seinem Vater.
Doch er wusste, dass ich ihn nicht kannte und ich sah auch sehr naiv, was ich ja auch war.
Ich hörte einmal, wie seine Mutter sagte, du kannst sie ruhig als Pröbchen benutzen, aber nicht heiraten. Sie hat kein Abitur, also ist sie nichts für dich.
Er umschmeichelte mich mit schönen Worten und so nahm ich seine Einladung mit ihm ins Kino zu gehen an.Das erste Mal für mich ins Kino zu gehen. Mann war das aufregend. Die Freundin seines Bruders fuhr uns beide in die Stadt und holte uns danach auch wieder ab. Es lief Love Story. Wir küssten uns das erste mal im Kino. Was war das für ein Gefühl? Das fühlte sich nach Geborgenheit an. Wie nett er sein konnte.
Und trotzdem war da immer so eine kleine Angst vor ihm in mir. Ach Greta sagte ich zu mir selbst, stell dich nicht so an. Das ist die Angst, die du vor deinen Eltern hast. Das hat mit ihm nichts zu tun.
Ich blieb nach der Arbeit immer öfter bei ihnen zu Hause. Komischerweise akzeptierte sein Vater, dass ich bei ihnen war. Ich durfte sogar am Abendtisch mit ihnen essen oder auch samstags und sonntags.
Einmal, ich weiss es noch wie heute, erzählte Georg, dass er den Hasen seines kleineren Bruders geschlachtet hatte und das er ihn gerade aß. Sein Vater lachte sich halb tot, während der kleine Bruder in Tränen ausbrach und Georg ihn böse grinsend beobachtete.
Er erzählte am Tisch ganz genau, wie er ihn erst gequält hatte, um ihm dann langsam die Kehle durchzuschneiden. Dabei habe ich deinem Kaninchen in die Augen gesehen während es starb. Ich habe genau gesehen, wie seine Seele aus dem kleinen Körper gewichen ist. Der kleinere Bruder schrie immer mehr, ich saß wie erstarrt, da hatte ich das richtig gehört, oh mein Gott, dachte ich nur. Während seine Eltern und sein größerer Bruder lauthals lachten.
Ich lief erschrocken nach Hause dort sofort in mein Zimmer. Erzählen konnte ich das nicht, sofort schlief ich noch in Kleidern ein. Am Abend kam meine Mutter in mein Zimmer, wie ihr wisst, musste meine Tür immer ein Stück offen sein und brüllte mich an, wieso ich mit Kleidern auf dem Bett liege.
Das erzähle ich dem Vati wenn er nach Hause kommt. Ach, lass mich doch in Ruhe rief ihr entgegen. Sie merkte meinen Schock gar nicht und schlug auf mich ein. Wie kannst du nur so böse sein, hätte ich dich niemals geboren, rief sie immer und immer wieder.
Kapitel 5
1972
6 Uhr morgens ich schlief ausnahmsweise einmal wieder zu Hause, als es an der Tür klingelte. Meine Mutter fand ich zitternd im Flur, da hat es geklingelt rief sie verängsteigt. Sie schaute durch den Spion in der Tür. Die sehen aus wie die Polizei, ich mache nicht auf ich will meine Ruhe. Das kann nur Ärger bedeuten. Nein, meinte ich zu ihr, das kannst du nicht machen, wir haben doch nichts getan. Sie wollen bestimmt nur etwas fragen. Und schon ging ich zur Tür, um sie zu öffnen. Guten Tag, sind ihre Eltern zu Hause, fragten die Beamten, ja antwortete ich, meine Mutter ist da. Ich ging nach hinten in den Flur, wo meine Mutter mich böse anschaute, sie winkte ab, ich bin nicht da, ich will meine Ruhe. Keine Sorge, Frau Kasimir, wir haben nur einige Fragen, rief einer der Polizisten, die sie natürlich gehört hatten, in den Flur Dürfen wir reinkommen? Verunsichert bat sie die Beamten hinein. Bitte ziehen Sie die Schuhe aus, ich habe gestern erst geputzt. Böse schaut sie auf die Schuhe der Beamten. Sie bat sie ins Wohnzimmer, das wie immer tip top aufgeräumt war. Siehst du Greta, meinte sie leise zu mir. Das meine ich, wenn ich immer zu dir sage, die Wohnung muss immer tip top sein, denn es könnte unerwarteter Besuch kommen. Mit einem aufgesetzten Lächeln und mit sich selbst zufrieden schaut sie die Beamten an. Was haben sie denn für Fragen, ist etwas passiert?
Im Feld zwischen den beiden Dörfern ist eine Leiche gefunden worden. Wir möchten Ihnen gerne Bilder zeigen und sie fragen, ob sie etwas bemerkt haben. Es ist ja gleich bei ihnen um die Ecke. Hat sich ein Nachbar komisch verhalten oder waren Leute hier in der Nähe, die sie nicht kennen?
Oh Gott, eine Leiche schrie meine Mutter auf, in unserer Nähe.
Wer ist das denn, Greta, hast du das gehört . Der Polizeibeamte beruhigte meine Mutter, Frau Kasimir, wir wollen ihnen nur einige Fragen stellen, beruhigen sie sich bitte. Er zeigte uns ein Foto, das Gesicht des Kindes war schrecklich entstellt. Voller tiefer Schnittwunden, die Nase war abgeschnitten und ein Ohr fehlte. Meine Mutter begann zu zitter. Die kenne ich nicht, schrie sie aufgebracht.. Du etwa Greta, nein, ich kannte das Kind auch nicht. Es tat mir schrecklich Leid, in der Praxis als Lehrling hatte ich schon so einiges zu Gesicht bekommen, aber dieser Anblick war besonders schrecklich.
Frau Kasimir, haben sie irgendetwas Ungewöhnliches bemerkt in letzter Zeit. Ich muss mich hinlegen, meinte sie nur und ging ohne ein weiteres Wort aus dem Zimmer. Er schaute mich fragend an, und ich verneinte, etwas Ungewöhnliches bemerkt zu haben.
Das mein Freund, inzwischen war Georg mein Freund, manchmal unheimlich war, verschwieg ich. Wie sich das anhört, meine Freund. Ich hatte einen Freund, der erste in meinem Leben der sich für sich interessiert. Auch dass der Fundort der Leiche die gleiche Stelle war, an der er mich damals nach dem Fest angegriffen hatte, behielt ich für mich.
Wo ist denn ihr Vater, fragte der Polizist, ich antwortete, dass er schon auf der Arbeit sei. Er möchte sich auf unserer Dienststelle melden, um sich auch das Bild anzuschauen und unsere Fragen zu beantworten.
Kaum waren die Polizisten gegangen, stürmte meine Mutter aus dem Zimmer, du bist Schuld, dass die reingekommen sind, ich wollte ja gar nicht erst aufmachen, siehst du, wie es mir jetzt geht. Ich habe ja schon immer gesagt, ich hätte dich am liebsten niemals geboren. Wehe wenn dein Vater nach Hause kommt. Dann kannst du was erleben. Sie stürmte in ihr Schlafzimmer und schmiss die Tür hinter sich zu.
Kapitel 6
Auf der Wache war eine Soko eingerichtet worden. Das war jetzt schon das vierte Opfer, das verstümmelt aufgefunden wurde. Auffallend war, dass allen ein Ohr abgeschnitten worden war. Sie waren in verschiedenen Altern auch von verschiedenen Geschlechtern. Da gab es keine Ähnlichkeiten, mmmm meinte Otto der Älteste der Soko und mittlerweile der Chef der Truppe, sowas hatten wir hier noch nie. Langsam wird es Zeit, dass wir einmal ein paar Anhaltspunkte bekommen. Es darf nicht noch mehr passieren.
Wir befragen auch mal den Arzt des Dorfes, er müsste ja eigentlich die Opfer kennen. Vielleicht kann er uns was sagen.
Fritz und Sabine, ihr fahrt mal da hin und befragt ihn einmal und dann geht ihr auch durchs Dorf und befragt andere Menschen.
Die beiden fuhren los, Mensch Fritz meinte Sabine, so langsam macht mir das richtig Angst. So viele Leichen hintereinander ja meinte Fritz, sowas hatten wir hier in unserem Kaff noch nicht und dann auch noch so kurz hintereinander gefunden. Hoffentlich kann uns der Arzt was sagen. Komisch ist auch, dass sie alle auf dem gleichen Feld gefunden wurden. Und offensichtlich ist auch, dass sie alle dorthin gebracht wurden. Es ist auf jeden Fall nicht der Ort, an dem sie gestorben sind. Was ist da bloß los. Vielleicht sollten wir diese Stelle beobachten lassen. Aber wer von uns soll sich Tag und Nacht diese Stelle beobachte. hmmmmm meinte Sabine, wir könnten dort ja auch Kamaras aufstellen. Dann nimmt sie vielleicht was auf, wenn er noch mal dort erscheint.
Der Arzt hatte sofort Zeit für sie, doch er kannte die Leichen nicht. Komisch meinte Sabine, der ist der einzige Arzt hier im Ort, der muss die doch kennen. Sie kam aus Köln und wurde letztes Jahr strafversetzt, weil sie in Köln etwas mit einem Kollegen angefangen hatte. Und das wurde nicht gerne gesehen. Jetzt hing sie hier in der Kleinstadt herum und war insgeheim froh, dass es endlich mal was zu tun gab. Aber direkt 4 Leichen hintereinander beunruhigte sie dann doch. Fritz dagegen war schon immer hier auf diesem Polizeirevier und fühlte sich in seiner Langeweile ganz gut. Er hatte nicht wirklich Lust auf so viel Aktion. Seine Frau hatte gestern schon gemeckert, dass er in letzter Zeit immer später nach Hause kam. Mensch Fritz meinte sie, du hast ja gar keine Zeit mehr für mich und die Kinder. Das passt mir ja gar nicht. Ja, meinte er zu ihr, tut mir Leid, ich habe mir das auch nicht ausgesucht. Doch bei 4 Leichen müssen wir schon mal Überstunden machen. Wir wollen ja nicht, dass noch mehr gefunden werden. Der Chef hat schon gemeckert, er hat von der oberen Dienststelle schon Ärger bekommen. Gestern wurde er von dort angerufen. Danach hatte er die schlimmste Laune der Welt. Sie haben ihm gesagt, wenn sich nicht bald mal was tut, nehmen sie uns den Fall weg. Tja, da müssen wir jetzt durch, drück uns lieber mal die Daumen, das wir schnell den Täter finden.
Seine Frau verstand das natürlich, die vielen Toten machten ihr und ihren Freundinnen schon länger Angst. Gestern war sie erst zum Yoga, das ganz neu hier im Dorf angeboten wurde. Ich muss dir was Interessantes erzählen, meinte sie zu ihrem Mann. Gestern haben wir noch nach dem Yoga zusammengesessen und geredet. Und die eine Frau, die neu war im Kurs, erzählte uns eine Geschichte, die sie mal von ihrer Oma gehört hatte. Die Oma hatte, als sie jung war, genau an dem Ort, an dem die Leichen gefunden wurden, gesehen, wie dort eine Frau als Jüdin verbrannt worden war. Ist das nicht komisch Fritz genau an der gleichen Stelle? Das muss doch irgendwie zusammenhängen. Ich musste dir das unbedingt erzählen. Vielleicht ist es ja wichtig.
Am nächsten Tag hatte Fritz die Geschichte schon wieder vergessen. Was die immer reden, diese Weiber dachte er, er brummelte vor sich hin. Noch 2 Jahre, dann gehe ich in Rente, und dann sowas.
Sie waren von Haus zu Haus gegangen, doch keiner hatte etwas Ungewöhnliches bemerkt und keiner erkannte jemanden auf den Bildern. Die Kameras wurden aufgestellt, doch es passierte nichts mehr. Die nächsten Jahre war wieder Ruhe eingekehrt in dem kleinen Ort. Manche erzählten sich noch Geschichten darüber, wenn sie sich Sonntags zum Frühschoppen in den Kneipen trafen. Die Geschichten uferten immer mehr aus, so wie das bei Geschichten nun mal so ist, jeder dichtet etwas dazu, sodass alles am Ende keiner Wahrheit mehr entsprach.
Kapitel 7
1976
Fritz war mittlerweile in Rente gegangen und Sabine hatte eine neue Kollegin bekommen. Boa meinte Pia, die neue Kollegin eines Abends zu ihr, hier in diesem Kaff ist es sooo langweilig, es gab nur Strafzettel zu verteilen oder kleinere Einbrüche nix los hier.
Da erzählte ihr Sabine von dem alten Fall. Das kann ich mir ja gar nicht vorstellen, die Leute hier sind doch alle so langweilig. Den Fall schaue ich mir mal genauer an.
Sie ging zu Otto, der noch immer der Chef der Abteilung war und fragte ihn, ob sie sich die Akten einmal ansehen dürfe. Klar meinte der, solange nichts anderes los ist, schau ruhig rein. Vielleicht findest du etwas, das wir übersehen haben.
Sie holte sich die Akten aus dem Archiv und stöberte alles durch. Die große Tafel, die im Revier an der Wand hing, füllte sich langsam mit Bildern und Aussagen von damals. Habt ihr damals eigentlich auch auf anderen Dienstellen nach ähnlichen Fällen gesucht, fragte sie Sabine. Oh ja, das haben wir, schau hier, da steht alles. Nichts Ähnliches war irgendwo einmal passiert. Ja, im Krieg gab es ähnliche Fälle an der Grenze zu Holland, doch das war im Krieg. Da ist sowieso viel Schlimmes passiert.
Was genau war denn da, fragte Pia. Ach das haben wir gar nicht festgehalten. Es war ja wie gesagt im Krieg und auch viel zu lange her. Aber ich kann mich noch erinnern, dass ich dachte wie komisch Soldaten und auch Zivielbevölkerung mit abgeschnittenen Ohren und verstümmelten Gesichtern ist ja doch ein komischer Zufall.
Doch Otto meinte, das können wir vergessen, ist bestimmt nicht wichtig. Und Fritz hatte eh keine Lust mehr das hatte sie gemerkt. Der freute sich auf seine Rente, in die er bald gehen konnte.
So ging alles ins Archiv und dann bald in Vergessenheit.
Hast du Lust diesen Fall noch mal mit mir neu auzufrollen? fragte Pia, ja, lass uns das machen, hier ist eh nix los. Sie telefonieren überall hin an um mit Kollegen zu sprechen, schickten überall Faxe hin. Apple hatte zwar gerade einen Computer rausgebracht, doch es sollte doch noch einige Jahre dauern, bis die in den Polizeirevieren Einzug halten sollten.
Sie waren sehr überrascht, als sie alle Antworten zusammengetragen hatten.
Zwischen 1973 und jetzt waren einige Fälle in der Umgebung von Mainz gewesen. Aber immer nur einzelne Morde, nie alle an einem Platz gesammelt wie hier bei uns, meinte Pia. Alles im großen Umkreis von Mainz.
Das gibt es ja wohl nicht, Sabine war ganz entsetzt. Alles in einem großen Umkreis, aber nicht mehr hier bei uns, wie komisch. Sie pinnten alles an die große Tafel und hängten noch eine große Karte auf, in die sie überall dort, wo Leichen gefunden worden waren, rote Pins anhefteten. Guck mal, meinte Pia, fällt dir was auf?
Lange schauten sie auf die Karte. Das sieht ja aus wie ein Hakenkreuz, das kann kein Zufall sein.
Ich glaube, wir müssen auch in der ganzen Welt nachfragen. Die Antworten dauerten einige Zeit, doch es war ein Volltreffer. Aus Frankreich gab es einige Fälle aus England und sogar aus Tunesien.
Die passten zwar nicht zu ihrem Hakenkreuz, doch die Ähnlichkeit der Fälle war frappierend.
Und dann noch die ganz alten Fälle aus dem 2 Weltkrieg an der Grenze zu Holland.
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