Wenn es stiller wird im November

Ihr Lieben,

der November trägt eine ganz eigene Stimmung in sich. Die Farben des Herbstes verschwinden langsam, die Bäume werden kahl, die Tage kürzer und die Abende dunkler. Die Natur zieht ihre Kräfte immer weiter zurück, vielleicht spüren auch wir, dass das Bedürfnis nach Ruhe, Wärme und Rückzug größer wird.

Ich empfinde diese Zeit nicht als dunkel im negativen Sinne. Dunkelheit kann auch Geborgenheit bedeuten. Wir schließen am Abend die Tür, zünden eine Kerze an und schaffen uns einen geschützten Raum. Die Welt draußen wird leiser und unsere innere Welt bekommt wieder mehr Platz.

Auch die astrologische Zeitqualität unterstützt diese Bewegung. Der Neumond im Skorpion am 9. November lädt dazu ein, tiefer zu schauen und wahrzunehmen, was wir nicht länger mit uns tragen möchten. Zur Monatsmitte werden Merkur und Venus wieder direktläufig, wodurch sich manches, was in den vergangenen Wochen unklar war, langsam sortieren kann.

Mit dem Wechsel der Sonne in den Schützen am 22. November wird die Energie wieder etwas leichter und zukunftsgerichteter. Der Vollmond in den Zwillingen am 24. November kann zusätzlich neue Gedanken und Sichtweisen anstoßen.

So führt uns der November von der Innenschau langsam wieder zu mehr Klarheit und einer neuen Ausrichtung.

Besonders interessant ist dieser Monat aber auch aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Während wir zu Beginn des Novembers noch die Herbstenergie des Metallelements spüren, beginnt in der chinesischen Betrachtung bereits der Übergang zum Winter und damit zum Element Wasser.

Der Winter ist die Zeit des Rückzugs, des Bewahrens und der Regeneration. In der TCM werden dem Wasserelement vor allem Niere und Blase zugeordnet. Die Nieren gelten dabei als Speicher unserer grundlegenden Lebensenergie.

Das passt wunderbar zu dem, was wir draußen beobachten können. Die Natur verschwendet jetzt keine Kraft. Bäume ziehen ihre Energie zurück, Pflanzen stellen ihr Wachstum ein und vieles ruht scheinbar. Doch unter der Oberfläche ist das Leben weiterhin vorhanden.

Vielleicht können wir daraus etwas für unseren eigenen Alltag lernen.

Wir müssen nicht das ganze Jahr über mit derselben Intensität funktionieren. Wenn wir im November müder sind, früher Ruhe brauchen oder weniger Lust auf äußere Aktivität verspüren, kann das auch ein Zeichen dafür sein, dass unser Körper seinen Rhythmus der Jahreszeit anpasst.

Gerade jetzt dürfen Wärme und Regeneration wieder wichtiger werden.

Aus Sicht der TCM mögen die Nieren Wärme besonders. Deshalb ist es wohltuend, den unteren Rücken und die Füße warm zu halten und sich nicht dauerhaft Kälte und Nässe auszusetzen. Ein warmes Fußbad am Abend kann jetzt ebenso angenehm sein wie eine Wärmflasche im Rücken oder einfach ein Paar warme Socken.

Auch unsere Ernährung darf sich verändern. Der Körper freut sich jetzt häufig mehr über warme, gekochte Mahlzeiten als über viel kalte Rohkost.

Suppen und Eintöpfe, Wurzelgemüse, Kürbis, Hülsenfrüchte, Hafer, Reis, Nüsse und Samen passen wunderbar in diese Jahreszeit. Auch lang gekochte Gerichte und warme Frühstücksmahlzeiten können dem Körper ein Gefühl von Wärme und Stabilität geben.

Doch der November möchte uns nicht nur körperlich etwas sagen.

Dem Wasserelement wird in der TCM auch die Emotion Angst zugeordnet. Angst gehört zu unserem Leben und hat eine wichtige Schutzfunktion. Problematisch wird sie erst, wenn sie dauerhaft unsere Entscheidungen bestimmt oder uns ständig in innerer Anspannung hält.

Gerade in stilleren Zeiten können solche Gefühle deutlicher werden. Dinge, die wir im Sommer durch Aktivität leichter übergehen konnten, bekommen plötzlich mehr Raum.

Vielleicht müssen wir sie nicht sofort verändern.

Manchmal genügt es zunächst, wahrzunehmen:

Was macht mir gerade wirklich Angst und was würde mir stattdessen Sicherheit geben?

Sicherheit entsteht nicht ausschließlich im Außen. Sie kann auch durch kleine Dinge wachsen: regelmäßige Ruhezeiten, einen vertrauten Tagesrhythmus, Wärme, ausreichend Schlaf, einen Spaziergang oder ein Gespräch mit einem Menschen, bei dem wir einfach sein dürfen.

Vielleicht ist das die eigentliche Einladung des Novembers

Nicht noch mehr Kraft aufbringen zu müssen, sondern die vorhandene Kraft besser zu bewahren.

 

 

Auch meine beiden Seminare im November greifen auf unterschiedliche Weise die Themen innere Kraft, Verbindung und persönliche Entwicklung auf.

Am Samstag, 7. November, findet „Wurzeln und Flügel – Deine weibliche Kraft erwacht“ statt.

Am Samstag, 21. und Sonntag, 22. November, folgt „Transformative Seelenheilung – Modul 2: Heilreise zu deinem höheren Selbst“.

 

Vielleicht möchtest du dir unabhängig davon in diesem Monat ganz bewusst kleine Inseln der Ruhe schaffen. Nicht erst dann, wenn du erschöpft bist, sondern als selbstverständlichen Teil deines Tages.

Der November erinnert uns daran, dass Rückzug kein Stillstand ist.

Die Natur zeigt es uns jeden Tag. Was von außen ruhig und leer erscheint, sammelt im Inneren bereits die Kraft für einen neuen Zyklus.

Wir müssen nicht zu jeder Zeit wachsen und nach außen strahlen. Manchmal liegt unsere größte Kraft darin, still zu werden, uns zu nähren und unsere Energie wieder bei uns selbst zu sammeln.

Ich wünsche dir einen November voller Wärme, wohltuender Ruhe und dem Vertrauen, deinem eigenen Rhythmus folgen zu dürfen.

Herzlichst

Gabriele Baum