Sultanahmet – Stille unter Kuppeln und der Atem der Geschichte

 

Je weiter der Weg in die historische Altstadt führt, desto spürbarer verändert sich die Stimmung der Stadt. Das dichte, bewegte Leben rund um Galata und die großen Straßen tritt langsam zurück, und an seine Stelle tritt eine ruhigere, fast ehrfürchtige Atmosphäre. Sultanahmet wirkt wie ein Raum, in dem Zeit langsamer fließt und Geschichte nicht vergangen, sondern gegenwärtig ist. Der Platz zwischen Hagia Sophia und Blauer Moschee öffnet sich weit zum Himmel. Menschen gehen hier leiser, verweilen länger, schauen nach oben zu Kuppeln und Minaretten, die seit Jahrhunderten den Horizont prägen. Unter den Schritten liegen die Reste des antiken Hippodroms, einst Zentrum byzantinischen Lebens, heute ein stiller Ort des Erinnerns. Steine, Säulen und Obelisken tragen Spuren vieler Reiche und doch wirkt nichts schwer. Eher gesammelt, getragen von einer Ruhe, die sich über Jahrhunderte gelegt hat.

Beim Betreten der Blauen Moschee verändert sich die Wahrnehmung noch einmal deutlicher. Das Licht fällt weich durch hohe Fenster, breitet sich über Teppiche aus und lässt die unzähligen blauen Iznik-Fliesen leuchten, denen die Moschee ihren Namen verdankt. Der Raum wirkt weit und zugleich geborgen, erfüllt von einer Stille, die nicht leer ist, sondern lebendig. Menschen beten, andere sitzen still, wieder andere schauen nur und doch scheint alles von derselben ruhigen Gegenwart getragen.

Gerade hier wird spürbar, welche Rolle Moscheen im Leben der Menschen spielen. Sie sind nicht nur Orte des Gebets, sondern auch Räume der Gemeinschaft, der Fürsorge und des Innehaltens. Zwischen Alltag und Spiritualität entsteht kein Gegensatz, sondern ein fließender Übergang. Vielleicht berührt dieser Ort deshalb so tief, weil er etwas Einfaches erinnert: dass Stille mitten im Leben möglich ist.

Wenn der Blick später noch einmal über den Platz wandert, hin zur Hagia Sophia, wird sichtbar, wie nah sich unterschiedliche Glaubenswelten hier über Jahrhunderte gekommen sind. Nicht immer friedlich, nicht ohne Brüche und doch in einer gemeinsamen Geschichte verbunden. Sultanahmet erzählt davon ohne Worte.

So bleibt dieser Teil Istanbuls wie ein ruhiger Mittelpunkt inmitten der großen, bewegten Stadt.
Ein Ort, an dem Schritte langsamer werden, Gedanken stiller und sich für einen Moment das Gefühl einstellt, dass Vergangenheit, Gegenwart und inneres Erleben miteinander verschmelzen.

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