Schon der Weg hinauf bereitet mich vor. Die Hitze, die Stufen, der weite Blick in die Ebene, ich werde automatisch langsamer. Oben verändert sich die Luft: weniger Alltag, mehr Konzentration. Und dann sind da diese Höhlenheiligtümer, fünf an der Zahl, als wäre der Fels selbst zu einem Kloster geworden. Bis heute ist es ein lebendiger Ort des Glaubens und der Pilgerschaft. Drinnen begegnet mir Buddha in allen Formen und Farben, goldene Figuren, dunklere, hellere, manche fast zart, manche monumental. Es gibt sitzende Buddhas in tiefer Sammlung, stehende Buddhas mit einem Blick, der wie ein ruhiger Spiegel wirkt, und diese liegenden Buddhas, die mich jedes Mal besonders berühren Der Höhlentempel von Dambulla ist für mich kein Ort, den man einfach besichtigt. Er ist ein Eintauchen, ein langsames Hinübergleiten in eine andere Wirklichkeit. Decken und Wände wirken wie ein einziger, durchgehender Bilderstrom. Über mir spannt sich ein bemalter Himmel, unter mir stehen, sitzen und liegen Buddhas in einer Dichte, die ich so kaum irgendwo anders erlebt habe. Und genau deshalb fühlt es sich an wie ein Feuerwerk buddhistischer Kunst wie ein stilles Leuchten, das von innen kommt. Dass dieser Ort so stark wirkt, hängt auch mit seiner Geschichte zusammen. Der Höhlentempel st für mich nicht nur ein spiritueller Ort, sondern auch ein stiller Zeuge sri-lankischer Geschichte. Alles hier atmet Zeit. Nicht die schnelle, sondern die tiefe Zeit, die Schicht um Schicht gewachsen ist.
Seinen Ursprung hat dieser Ort bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. König Valagamba, ein singhalesischer Herrscher, musste damals vor tamilischen Eindringlingen fliehen. Viele Jahre lebte er im Exil verborgen in genau diesen Höhlen von Dambulla. Mönche schützten ihn, versorgten ihn, hielten den Ort rein und lebendig. Als Valagamba später seinen Thron zurückeroberte, ließ er aus Dankbarkeit die Höhlen zu einem Tempel ausbauen. Nicht aus Macht, sondern aus Demut. Das spürt man bis heute. Über die Jahrhunderte wurde Dambulla immer weiter ergänzt. Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen. Besonders stark geprägt wurde der Tempel im 18. Jahrhundert unter der Herrschaft der Kandyan-Könige. Viele der Wand- und Deckenmalereien, die ich heute sehe, stammen aus dieser Zeit. Sie zeigen nicht nur buddhistische Lehren, sondern auch das Weltbild eines ganzen Königreichs wie Ordnung, Wiedergeburt, Mitgefühl und das Wissen um die Vergänglichkeit allen Seins. Was mich dabei besonders berührt: Diese Höhlen waren nie ein Museum. Sie waren immer ein lebendiger Ort der Praxis. Mönche lebten hier, meditierten und lehrten. Generationen von Menschen kamen mit ihren Sorgen, ihren Fragen und ihrem Leid. Die Kunst an den Wänden war nie Dekoration sie war Unterricht, Trost und Erinnerung zugleich. Mehr als 150 Buddha-Statuen befinden sich heute in den fünf Haupthöhlen. Einige wirken monumental, andere fast intim. Manche zeigen königliche Züge, andere eine stille Menschlichkeit. Auch hinduistische Götterfiguren tauchen auf ein leiser Hinweis darauf, wie selbstverständlich religiöse Vielfalt hier lange nebeneinander existierte. 1982 wurde der Tempel zum UNESCO-Welterbe erklärt. Für mich ist das verständlich, aber fast nebensächlich denn Dambulla braucht keinen Titel, um bedeutend zu sein. Seine Bedeutung liegt tiefer, n der Tatsache, dass dieser Ort über mehr als zwei Jahrtausende hinweg nie seine spirituelle Aufgabe verloren hat.
Wenn ich durch die Höhlen gehe, weiß ich, dass hier gebetet wurde als Europa noch in ganz anderen Weltbildern lebte. Hier wurde über Leiden, Mitgefühl und Befreiung nachgedacht, während anderswo Kriege und Dogmen herrschten. Diese Tiefe macht Dambulla für mich so kraftvoll.
Ich gehe hinaus mit großem Respekt, vor der Geschichte und den Menschen, die diesen Ort getragen haben. Und vor einer tiefen Weisheit, die genau deshalb bis heute wirkt.
Ayubowan Gabriele 🙏
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