Auf dem Bauernmarkt im Händlerviertel Pettah und später auf dem Markt von Kandy bin ich förmlich eingetaucht in eine andere Welt. Farben, Gerüche, die vielen verschiedenen Menschen und Stimmen. Es ist dicht, laut, chaotisch und direkt und nicht so geschniegelt oder ordentlich sortiert wie bei uns. Obst und Gemüse liegen in großen Körben oder auf Planen, Fleisch hängt offen an Haken, Fisch liegt auf Eis oder direkt auf Metalltischen, noch glänzend, noch ganz nah am Meer.
Die Vielfalt ist enorm. Berge von Mangos, Papayas, Bananen in allen Größen und Farben. Knollen, Wurzeln, Blätter, die ich nicht benennen kann. Daneben Gewürze, Chili in leuchtendem Rot und Grün, Kurkuma frisch als Wurzel, Ingwer in riesigen Stücken. Ein paar Schritte weiter Fleischstände, Huhn, Ziege, Rind, Eingeweide in allen Größen und Formen. Der Fischmarktbereich ist besonders intensiv. Thunfisch in großen Stücken, kleine silberne Fische, Garnelen, Tintenfisch. Man sieht sofort, was hier gegessen wird, und wie nah das alles noch am Ursprung ist.
Dann die Gemüsehändler sie boten eine unglaubliche Vielfalt an Genüsse an. Okra, Bittermelone, Auberginen (in vielen Formen und Farben), Kürbis, Süßkartoffel, Maniok (Cassava), Yamswurzel, Langen Bohnen, Paprika und grüne Chilischoten, Tomaten, Gurken, Kohl und Pak Choi, Rote Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Kurkumawurzel, Lotuswurzel, Drumstick (Moringa-Schoten).
Die Menschen machen diesen Markt aus. Händler, die laut ihre Ware anpreisen, Käuferinnen mit schnellen, sicheren Griffen, Kinder, die mitlaufen, Männer, die diskutieren, lachen, handeln. Es wirkt chaotisch, und doch hat alles seine Ordnung. Jeder weiß, wo er hingehört. Niemand wirkt gehetzt, obwohl es voll ist. Für mich ist das ein riesiger Unterschied zu unseren Märkten. Hier ist weniger Distanz, weniger Verpackung, weniger Inszenierung und dafür mehr Echtheit.
Ganz anders, und doch genauso lebendig, habe ich später den Bauernmarkt in Kandy erlebt. Hier war es für mich fast sinnlich verspielt. Unser Reiseleiter hat uns gezielt zu einem Obststand geführt und immer wieder Früchte ausgesucht, die wir kaum kannten. Der Standbesitzer hat sie mit einer Selbstverständlichkeit geöffnet, als würde er das hundertmal am Tag für Fremde machen. Mit dem Messer ein Schnitt, ein Dreh, ein Griff und schon lagen Stücke in unseren Händen. Jackfruit, verschiedene Sorten Mango, Papaya, Bananen in vielen Varianten, kleine süße, und rote Bananen, Rambutan, Mangostan, Sternfrucht, Soursop (Stachelannone). Ich habe Fruchtfleisch probiert, das süß, säuerlich, cremig oder überraschend herb war. Manche Früchte waren weich wie Pudding, andere knackig und frisch. Dazu das Lächeln des Verkäufers, sein Stolz, uns sein Obst zu zeigen, und sein stille Vergnügen, wenn er merkte dass es uns schmeckte. Es war kein touristisches Spektakel, eher ein stilles Teilen. Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt. Dieser Markt in Kandy war für mich wie eine Einladung. Probier, sei neugierig, lass dich ein. Und genau das habe ich getan. Alles war wie eine Geschmacksexplosion auf meiner Zunge. Alle Früchte schmeckten so intensiv und natürlich. Diesen Genuss werde ich zu Hause sehr vermissen. Beide Märkte haben mir auf unterschiedliche Weise gezeigt, wie reich dieses Land ist.
Was mich besonders berührt hat, diese Märkte sind keine Show für Touristen. Sie sind lebendiger Alltag. Alles wird angefasst, gerochen, probiert, diskutiert. Ich habe gespürt, wie selbstverständlich hier Nahrung, Erde und Mensch miteinander verbunden sind. Und wie viel Wissen ganz in den Händen dieser Markthändler liegt.
Für mich waren diese Marktbesuche echte Herzstücke der Reise näher an Sri Lanka kommt man kaum.
Ayubowan Gabriele 🙏
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