Unser Reiseleiter hat unterwegs auch über das Gesundheitssystem in Sri Lanka gesprochen. Hier gibt es ein staatliches Gesundheitssystem, das für alle Menschen kostenlos zugänglich ist. Jeder kann in ein öffentliches Krankenhaus gehen und wird behandelt ganz unabhängig vom Einkommen. Arztbesuche, Medikamente, Operationen, Geburten: all das ist Teil der Grundversorgung. Für ein Land mit begrenzten finanziellen Ressourcen ist das bemerkenswert. Gesundheit wird hier als Grundrecht verstanden, nicht als Privileg. Unser Reiseleiter erzählte, dass Sri Lanka besonders bei Basisversorgung, Impfprogrammen und Geburtshilfe gut aufgestellt ist. Die Kindersterblichkeit ist niedrig, die Lebenserwartung vergleichsweise hoch. Selbst abgelegene Regionen werden erreicht. Gleichzeitig sind die Krankenhäuser oft überfüllt, die Wartezeiten lang, das Personal arbeitet am Limit. Viele Ärzte sind hervorragend ausgebildet, verdienen aber wenig und wandern ins Ausland ab. Das hinterlässt Lücken, vor allem auf dem Land.
Parallel dazu gibt es ein privates Gesundheitssystem, vor allem in den größeren Städten. Private Kliniken sind moderner, schneller, komfortabler und kostenpflichtig. Wer es sich leisten kann, nutzt sie für Diagnostik, planbare Eingriffe oder einfach wegen der kürzeren Wartezeiten. Viele Ärzte arbeiten in beiden Systemen: vormittags staatlich, nachmittags privat. Das wirkt pragmatisch, fast selbstverständlich. Für Reisende und Touristinnen ist das private System meist die erste Anlaufstelle.
Ein ganz wichtiger Teil der Gesundheitskultur ist die traditionelle Medizin und hier hat unser Reiseleiter etwas erklärt, das mir besonders hängen geblieben ist. Die Naturmedizin in Sri Lanka ist nicht wie oft angenommen Ayurveda. Die eigene Heiltradition heißt Deshiya Chikitsa oder Sinhala Wedakama einheimische, singhalesische Medizin. Damit machen die Menschen deutlich: Das ist nicht nur übernommenes indisches Ayurveda, sondern eine eigenständige, uralte Heilkunst, die sich über Jahrtausende auf der Insel entwickelt hat. Diese Medizin arbeitet mit lokalen Heilpflanzen, Ölen, Kräutern und Rezepturen, die tief mit dem Klima und der Landschaft Sri Lankas verbunden sind. Viele Familien nutzen dieses Wissen bis heute ganz selbstverständlich bei Alltagsbeschwerden. Es gibt staatlich anerkannte traditionelle Krankenhäuser, Ärzte mit offizieller Ausbildung und sogar Universitäten für diese Heilkunst. Schulmedizin und traditionelle Medizin stehen nebeneinander, ohne Konkurrenzdenken. Für Akutes geht man ins Krankenhaus, für langfristige Balance, Prävention und Regeneration oft zur traditionellen Heilbehandlung.
Was mich dabei besonders berührt hat ist, trotz aller Unterschiede wirkt das System getragen von Verantwortung und Gemeinschaft. Gesundheit ist nichts Abstraktes, sondern etwas, das man miteinander schützt. Vielleicht ist genau das der Grund, warum dieses System mit all seinen Schwächen dennoch so viel Stabilität hat. Ich habe gemerkt, wie sehr dieses Denken zur Mentalität des Landes passt: weniger Anspruch, weniger Drama, mehr Akzeptanz dessen, was ist. Nicht perfekt, aber menschlich.
Menschen, die es sich leisten können, schließen in Sri Lanka oft eine private Krankenversicherung ab. Diese funktioniert anders als viele westliche Modelle. Es geht nicht nur um Absicherung im Krankheitsfall, sondern auch um Vorsorge und Rückzahlung. Nach einer bestimmten Laufzeit wird der gesamte Betrag der eingezahlten Beiträge nklusive Zinsen wieder ausbezahlt, egal ob die Versicherung nicht oder nur wenig genutzt wurde. Für viele ist das eine Kombination aus Sicherheit und Sparmodell. Man sorgt vor, weiß im Ernstfall Zugang zu privaten Kliniken zu haben, und verliert das eingezahlte Geld nicht automatisch. Unser Reiseleiter meinte, genau das mache diese Versicherungen attraktiv für die Mittelschicht. Gesundheit absichern, ohne das Gefühl zu haben, Geld zu verschenken.
Im Krankheitsfall ermöglicht die private Versicherung schnellere Behandlungen, freie Arztwahl und Zugang zu den besseren privaten Krankenhäusern. Gleichzeitig bleibt das staatliche System als Rückhalt bestehen. Niemand fällt komplett durchs Netz das ist wichtig. Ich fand dieses Modell sehr durchdacht. Es verbindet Eigenverantwortung mit sozialer Absicherung und passt erstaunlich gut zu der Mentalität im Land. Vorsorgen, aber nicht übertreiben und Sicherheit schaffen, ohne Angst als Antrieb.
Je mehr ich darüber erfahren habe, desto klarer wurde mir. Das Gesundheitssystem in Sri Lanka ist kein perfektes System, aber eines, das aus der Realität heraus gewachsen ist. Und genau deshalb funktioniert es auf seine eigene, stille Weise.
Ayubowan Gabriele 🙏
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