Zum High Tea im alterwürdigen Hill Club

 

Im altehrwürdigen Hill Club zum High Tea zu sitzen, fühlt sich an wie ein bewusstes Herausfallen aus der Gegenwart. Schon beim Eintreten verändert sich etwas. Die Luft ist schwer von Geschichte, von Holz, Leder, Tee und einer leisen Strenge vergangener Zeiten. Dunkle Holzvertäfelungen, hohe Decken, alte Porträts, knarrende Dielen nichts wirkt dekorativ im modernen Sinn. Alles ist echt, getragen, benutzt worden über Generationen hinweg.

Ich nehme Platz, und sofort stellt sich dieses very British Lebensgefühl ein. Hier wird nichts überstürzt. Der Tee kommt in silbernen Kannen, das Porzellan ist fein, die Bewegungen des Personals ruhig und präzise. Draußen liegt Nuwara Eliya im kühlen Hochlandnebel, fast englisch anmutend mit seinen Gärten, Hecken und kolonialen Fassaden. Drinnen scheint die Zeit stillzustehen. Ich spüre, wie ich langsamer werde. Die Gedanken ordnen sich, der Körper entspannt sich.

Der High Tea ist ein Fest der feinen Zurückhaltung. Auf Etageren aus Silber und Porzellan reihen sich die kleinen Köstlichkeiten wie sorgfältig komponierte Miniaturen aneinander. Da sind die klassischen Gurkensandwiches, hauchdünn geschnitten, frisch und kühl, mit einer feinen Butternote exakt so, wie sie sein müssen. Daneben Sandwiches mit Ei, manchmal ein Hauch Kresse, alles weich, zart, ohne jede Schwere. Jeder Bissen wirkt kontrolliert, fast diszipliniert. Very British eben.

Die Scones sind warm, leicht bröselig, außen sanft gebräunt. Dazu Clotted Cream, dick und samtig, und eine fruchtige Marmelade, die süß ist, ohne zu dominieren. Ich streiche langsam, bewusst, genieße diese einfache Perfektion. Kein Schnickschnack, keine Experimente nur Qualität und Tradition.

Auf der süßen Ebene warten kleine Küchlein und feines Teegebäck, manchmal Shortbread, manchmal zarte Törtchen dezent süß und elegant. Alles ist aufeinander abgestimmt, als hätte jemand genau darüber nachgedacht, wie Genuss ohne Überforderung schmeckt.

Der Tee selbst ist kräftig, dunkel, aromatisch. Er wärmt von innen und passt perfekt zum kühlen Hochlandklima. Ich halte die Tasse in den Händen, spüre die Wärme, atme den Duft ein. So wird der High Tea im Hill Club nicht nur zu einer Mahlzeit, sondern zu einem stillen Ritual.

Gleichzeitig ist da dieses leise Bewusstsein für die Geschichte, die mitschwingt. Ich weiß, wer diesen Club gegründet hat, wer hier früher saß, während draußen ein ganz anderes Leben stattfand. Diese Spannung ist präsent, aber sie überlagert den Moment nicht, sie macht ihn tiefer. Ich sitze da, trinke Tee, schaue aus dem Fenster, höre gedämpfte Stimmen und das leise Klirren von Porzellan. Und ich merke, wie dieser Ort mir etwas zeigt nicht nur britische Eleganz, sondern auch, wie sehr Rituale Halt geben können. Der High Tea im Hill Club ist keine Inszenierung für Touristen. Er ist ein Relikt, das weiterlebt. Würdevoll, widersprüchlich und still.

Am Ende stehe ich auf mit dem Gefühl, nicht einfach nur Tee getrunken zu haben, sondern einen Raum betreten zu haben, der Geschichten trägt. Und genau das macht diesen Moment so besonders.

Ayubowan Gabriele 🙏

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