Heute geht es 150km in die Berge hinauf.
Die Buddhas von Buduruwagala empfangen und am Vormittag wie Wächter einer anderen Wirklichkeit. In den weichen Fels geschlagen, monumental und zugleich still, scheinen sie über Zeit und Landschaft zu schweben. Die Luft ist kühl, fast feierlich, und zwischen Moos, Schatten und dem Duft feuchter Erde verliere ich für einen Moment jedes Gefühl für Richtung. Hier geht es nicht um Worte hier geht es um Präsenz. Um ein Innehalten, das tief unter die Haut sinkt. Ganz anders und doch genauso berührend ist die kleine Welt nebenan. Bodenständig, würzig und warm. Lakshita kocht für uns in seinem Dorfrestaurant Currys, wie sie nur entstehen, wenn jemand mit Herz und Geduld am Herd steht. Kein Schnickschnack, keine Eile. Reis, Linsen, Gemüse, Kokos und Gewürze die nach Erde, Sonne und Alltag schmecken. Hausmannskost auf sri-lankische Art. Ich esse langsam, dankbar, und spüre, wie diese einfache Mahlzeit nicht nur den Körper stärkt, sondern auch die Seele erdet. Gestärkt geht es weiter hinauf in die Berge. Die Straße windet sich, und mit jeder Kurve öffnet sich eine neue Bühne, sattes Grün, Teefelder, die wie Teppiche über die Hügel gelegt sind, kleine Häuser, aus denen Rauch aufsteigt. Es ist ein ständiges Staunen, ein unwillkürliches Ah und Oh hinter jeder Biegung. Die Landschaft zwingt mich förmlich dazu, langsamer zu werden.
Eine dieser Pausen führt mich zu den Ravana Falls. Wassermassen stürzen tosend in die Tiefe, kraftvoll und doch verspielt, als würden sie tanzen. Der feine Sprühnebel legt sich auf die Haut, die Geräusche der Straße verschwinden und für einen Moment existiert nur dieses Rauschen. Wild, lebendig und fotogen. Am Spätnachmittag rollen wir schließlich in Nuwara Eliya ein, die einstige britische Sommerfrische hoch oben im Hochland. Plötzlich fühlt sich alles anders an. Kühle Luft, frühlingshafte Temperaturen, ein Hauch von Europa mitten in Sri Lanka. Fachwerkhäuser, gepflegte Rosenrabatten, eine Pferderennbahn, Relikte einer Zeit, in der Kolonialherren hier von ihrer grünen Insel träumten. Und obwohl diese Geschichte spürbar bleibt, hat der Ort heute eine ganz eigene und sanfte Melancholie.
Wir genießen die Frische ich ziehe die Schultern ein wenig hoch und atme tief durch. Nach den spirituellen Höhen von Buduruwagala, den würzigen Currys im Dorf und der überwältigenden Natur unterwegs fühlt sich Nuwara Eliya wie ein leiser Ausklang an. Ein Ort zum Sammeln, zum Nachspüren und ankommen.
Ayubowan Gabriele 🙏
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