Reisfelder wohin das Auge reicht

 

Dieses satte Grün, das unglaublich beruhigt. Auf unseren Fahrten über die Insel sind wir immer wieder an ihnen vorbeigefahren, früh am Morgen im Dunst, mittags flirrend vor Hitze, abends golden im schrägen Licht. Und jedes Mal hatte ich das Gefühl, hier liegt das Herz des Landes offen da. Reis ist in Sri Lanka nicht einfach ein Nahrungsmittel. Reis ist Leben, Rhythmus und Sicherheit. Die Felder werden meist zwei- bis dreimal im Jahr bestellt, abhängig von den Regenzeiten. Wenn die jungen Reispflanzen dicht an dicht im Wasser stehen, wirkt alles fragil. Wochen später stehen kräftige Halme da, die Ähren schwer, kurz vor der Ernte. Dann kommen die Menschen zusammen, oft noch von Hand, mit Sicheln, mit ruhigen Bewegungen. Die Ernte ist Arbeit aber auch ein stilles Fest. Ich habe gespürt, wie viel Achtung in diesem Tun liegt.

Dieses System ist uralt. Lange vor Christi Geburt haben die Menschen hier verstanden, wie man Wasser sammelt, lenkt und bewahrt. Riesige künstliche Wasserbecken wurden angelegt, verbunden durch Kanäle, fein abgestimmt auf Landschaft und Gefälle. Regenwasser aus der Monsunzeit wird gespeichert und über Monate verteilt an die Felder abgegeben. Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde. Nachhaltigkeit, lange bevor es ein modernes Wort dafür gab. An vielen dieser Becken sind wir vorbeigefahren. Weite Wasserflächen, ruhig wie Spiegel. Darauf blühende Lotusblumen rosa, weiß, manchmal noch geschlossen im frühen Licht. Diese Orte hatten für mich etwas Heiliges. Wasser, das nährt und Pflanzen, die aus dem Schlamm wachsen und dennoch makellos erscheinen.

Unser Reiseleiter Ruwan Jayasekera hat uns all das erklärt, ruhig, mit spürbarer Liebe zu seinem Land. Er erzählte auch von einem besonderen Gesetz. Denn Reisfelder dürfen nicht einfach verkauft oder zweckentfremdet werden. Sie gehören nicht nur einzelnen Menschen, sie gehören dem Land. Dieses Gesetz schützt die Felder davor, Bauland zu werden, schützt die Ernährungssicherheit, schützt eine jahrtausendealte Kultur. Während wir im Bus saßen, die Landschaft an uns vorbeizog und sich Feld an Feld reihte, wurde mir klar, wie sehr diese Reisfelder das Denken der Menschen prägen. Sie haben Geduld und ein tiefes Vertrauen in Zyklen. Die Gewissheit, dass alles seine Zeit hat, Wachstum, Reife, Ernte und Ruhe. Diese Felder sind keine Kulisse. Sie erzählen Geschichten von Anpassung, von Respekt vor der Natur und von Gemeinschaft. Und jedes Mal, wenn ich heute an sie denke, sehe ich nicht nur Grün. Ich sehe Wasser, Hände altes Wissen und eine tiefe Verbindung zwischen Mensch und Erde.

Ayubowan Gabriele 🙏

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