Sri Lanka heißt übersetzt „das strahlend leuchtende Land“ und jedes Mal, wenn ich daran zurückdenke, spüre ich dieses Leuchten wieder in mir. Besonders in Kataragama. Dieser Ort hat mich nicht nur berührt, er hat mich durchdrungen.
Schon bei der Ankunft lag etwas Unbeschreibliches in der Luft. Glockengeläut mischte sich mit schrillen Flötenklängen, rhythmisch, fast durchdringend, und gleichzeitig getragen von einer tiefen, ehrwürdigen Stille. Diese Klänge waren wie Wellen, die durch meinen Körper gingen. Sie haben nicht mein Ohr erreicht, sondern mein Innerstes.
Ich erinnere mich, wie ich stehen blieb, unfähig weiterzugehen. Tränen liefen mir über das Gesicht. Es war kein Weinen aus Traurigkeit, sondern aus Wiedererkennen. Als würde etwas sehr Altes in mir sagen: Du bist angekommen.
Die Zeremonie im Tempel von Skanda hat mich dann vollständig aus der gewohnten Welt gelöst. Während die Mönche sangen und die Instrumente immer intensiver wurden, veränderte sich mein Zeitgefühl. Alles wurde langsamer und gleichzeitig weiter. Mein Körper war da und doch nicht mehr schwer.
In einem Moment tiefer Stille, mitten in diesem Klangteppich aus Glocken, Flöten und Gesängen, habe ich eine Lotusblume geopfert. Der Lotus in meinen Händen war für mich Reinheit, Hingabe und Vertrauen. Ich habe ihn niedergelegt wie ein stilles Versprechen. Nicht an einen Gott im Außen, sondern an das Göttliche in mir und in diesem Ort.
Dieser Augenblick war heilig. Es war, als würde sich ein Raum öffnen, jenseits von Denken, jenseits von Fragen. Ich war verbunden. Mit Skanda, mit den Kräften dieses Landes, mit den vielen Generationen vor mir, die hier gebetet, gehofft, gelitten und vertraut haben.
Ich hatte das Gefühl zu schweben. Mein Herz war weit, mein Atem ruhig. Nichts wollte mehr erklärt werden. Alles war einfach richtig. Kataragama ist kein Ort der Worte. Es ist ein Ort der Erfahrung.
Was mich tief bewegt hat, ist diese Selbstverständlichkeit, mit der sich hier verschiedene spirituelle Wege begegnen. Hinduismus, Buddhismus, Naturspiritualität alles fließt ineinander, ohne Trennung, ohne Bewertung. Genau das macht diesen Platz so stark. Er verlangt keine Entscheidung. Er verlangt Präsenz.
Ich glaube, Kataragama wählt dich. Wer hierherkommt, wird gerufen. Und jeder wird auf seine eigene Weise berührt. Für mich war es eine Erinnerung an meine eigene Tiefe, an mein inneres Wissen, an diese leise Gewissheit, dass wir mehr sind als unsere Geschichte.
Dieses strahlend leuchtende Land hat mir dort einen Spiegel hingehalten. Und ich bin mit etwas gegangen, das ich vorher nicht benennen konnte, einer stillen, tragenden Kraft in mir, die seitdem da ist.
Kommentar hinzufügen
Kommentare